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Rezensionen von Gertie G.:

Eine Leseempfehlung!

Goldstein - ein phantastisches Leben von Anja Scherz

Anja Scherz erhält von einer Freundin den Auftrag, die unvollständigen Memoiren deren jüngst verstorbenen Ehemannes Raphael-Maria Goldstein, fertig stellen und mit Dokumenten bzw. Fotos zu ergänzen. Die Aufgabe klingt reizvoll und die Person interessant.

Raphael-Maria Goldstein behauptet nämlich von sich, 1949 als illegitimer Sohn von Otto Frank und einer Holocaustüberlebenden, geboren zu sein.

Er sei also ein Halbbruder von Anne Frank. Er sei, weil seine Mutter nicht im Stande war, sich um ihn zu kümmern, der Familie Burger zunächst als Pflegekind übergeben worden und letztlich von den Burgers adoptiert worden. Von ihnen habe er den Namen Norbert Hans Burger erhalten. Im Nachkriegsdeutschland mit seinen zahlreichen (Halb)Waisen und dem schlechten Gewissen mancher Familien nicht unmöglich.

Scherz beginnt mit der akribischen Recherche, anhand des tabellarischen Lebenslaufes. Die Überprüfung mancher Daten stellen sich als schwieriges Unterfangen heraus. Denn, einerseits sind ein Großteil der möglichen Zeitzeugen bereits verstorben und andererseits ergeben die Dokumente, Quellen, sowie die Interviews mit Bekannten und Familienmitgliedern ein sehr diffuses, unübersichtliches Bild, das zunächst mehr Fragen aufzuwerfen als zu beantworten scheint. Zum Beispiel weiß niemand über den angeblich fast tödlichen Unfall von 1978 Bescheid, den er beschreibt und für so manche leere Stelle in seinem Leben verantwortlich macht.

Wir lesen Auszüge aus dem Manuskript, das zahlreiche Briefe an Anne Frank, enthält obwohl sie ja, wie allseits bekannt, bereits 1945 im KZ Bergen-Belsen gestorben ist. Das wäre an sich noch nicht verwunderlich, kann man solches als besonderes Stilmittel bewerten.

„Liebe Anne, mein Leben ist ein verworrener Weg zwischen Realität, gewünschter Realität, Ahnung, Wunschtraum und Fakten gewesen. Der gewünschte Beleg vieler Äußerungen kann nur unzulänglich erbracht werden. Dessen bin ich mir bewusst.“ (S. 128)

Erste Zweifel an seiner Vita treten schon zu Goldsteins Lebzeiten auf, als Esther-Maria Goldstein, die Frau, die als seine Mutter bezeichnet, auf einem Video der Nürnberger Prozesse als Zeugin auftritt, überhaupt keine Ähnlichkeit mit ihm hat. Darüber schummelt er sich hinweg.

In Burger/Goldsteins Arbeitszimmer entdeckt Anja Scherz zahlreiche Bücher, die Episoden enthalten, die quasi als passende Mosaiksteine und Versatzstücke in seine ganz persönliche Lebensgeschichte eingearbeitet erscheinen. Fiktion und Wahrheit verschwimmen mehr und mehr.

Burger/Goldstein verstrickt sich in einem Dickicht von Geschichten, er bricht Kontakte, die seine Konstruktion zum Einsturz bringen könnten, ab und wechselt häufig seinen Wohnort.

Ein winziges und witziges Detail am Rande, das sich auch auf dem Cover wiederspiegelt ist, das Tee trinken in quasi allen Lebenslagen des Norbert Hans Burger alias Raphael-Maria Goldstein, wenn er versucht „seine“ Herkunft zu „beweisen“.

Journalistin und Autorin Anja Scherz schafft es, in diesem, ihrem Erstlingswerk „Goldstein - ein phantastisches Leben“, einen Roman zu schreiben, der das facettenreiche Leben des Norbert Hans Burger alias Raphael-Maria Goldstein auferstehen lässt.

Wie ist es, sich eine Biografie eines anderen Menschen auszudenken und in diese zu schlüpfen? Kann das sachlichen Überprüfungen stand halten? Welche rechtlichen Konsequenzen könn(t)en daraus erwachsen? Ist das Identitätsdiebstahl? Oder Betrug? Ist es wie eine Kronzeugenregelung? Oder einfach der pathologische (?) Wunsch, jemand anderes zu sein?

Der ausgebildete Schauspieler ohne Abschluss, Norbert Hans Burger spielt mit Raphael-Maria Goldstein die Rolle seines Lebens.

Fazit:

Das Buch ist ein Meisterstück bis zur letzten Seite. Es entwickelt eine Sogwirkung, der man sich nicht entziehen kann. Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Eine gelungene Biografie der Familie Strauss

Strauss von Michael Lemster

„Strauss: Eine Wiener Familie revolutioniert die Musikwelt“ ist eine interessante und umfassende Familienbiografie des Autors und Kulturwissenschaftlers Michael Lemster. Wie schon in seinen Familien-Biografien „Die Mozarts“ und „Die Grimms“ recherchiert er penibel und spickt seine Werke mit Zahlen, Daten und Fakten.

Zusätzlich wird aus Briefen und Zeitungsnotizen zitiert.

Sehr gut gefällt mir, dass wie das gesellschaftlich und politische Umfeld über mehr als ein Jahrhundert dargestellt wird. Zunächst befinden wir uns ja in der nach-napoleonischen Ära, in der die Fürsten ihre Machtansprüche von vorher wiederherzustellen versuchen. Dazu bedienen sie sich häufig der Willkürherrschaft, der flächendeckenden Zensur und anderer Repressalien. Mit der Zensur bekommen es die Musiker der Familie Strauss mehrmals zu tun. Als 1830 nach dem Eisstoß das darauffolgende Hochwasser die Leopoldstadt überschwemmt, verlieren sie ihre Wohnung. Die Revolutionen von 1848/49 bringen die Sträusse auf die Barrikaden, Johann kurz ins Gefängnis bzw. in Ungnade beim Kaiserhaus. In der NS-Zeit wird die Musik der Sträusse trotz deren lange zurück liegender jüdischer Herkunft vereinnahmt. Die Familienmitglieder zwar gerade nicht verfolgt, aber drangsaliert.

Ein Neujahrskonzert ohne Donauwalzer oder Radetzky-Marsch? Unvorstellbar!

Lemster beginnt zunächst bei Johann Strauss Vater (1804 - 1849) geht aber von diesem noch weiter in die Vergangenheit zurück, wodurch sich ein noch besseres Familienbild ergibt.

Nach dem frühen Tod von Johann Strauss Vater, hält die Witwe Anna die Familie zusammen. Es bleibt ihr ja auch wenig übrig, denn trotz des guten Einkommens, ist kaum Geld vorhanden. Das liegt natürlich vor allem am Verstorbenen selbst, der die Einnahmen auch wieder flott ausgegeben hat, unter anderem für seine Zweitfamilie mit Emilie Trampusch mit der er acht Kinder hat.

In Johann „Jean“ (1825-1899) erwächst dem Vater eine geniale Konkurrenz im eigenen Haus. Zunächst muss, was vielleicht nicht allgemein bekannt ist, Johann eine Buchbinderlehre absolvieren. Sein Musikertalent wird von Mutter Anna gefördert, die ihrem fremdgehenden Ehemann eins auswischen will. Neben einer Oper, einem Ballett, Dutzenden Operetten schreibt Jean Hunderte Walzer, Polkas, Märsche und Quadrillen. Er wird drei Mal verheiratet sein, aber ohne Kinder sterben.

Josef (1827- 1870) studiert am Polytechnikum (heute TU Wien) wird Ingenieur und hat eigentlich mit der Musik nichts am Hut, bis er für seinen Bruder Johann einspringen muss. Dafür, dass er Johann nur einmal kurz vertreten wollte, ist sein Werk mit 283 Kompositionen, beachtlich.

Der jüngste Bruder, Eduard (1835-1916) lässt sich ebenfalls überreden ins Familienbusiness einzusteigen. Er spielt die damals als unmännlich geltende Harfe. Auch er hinterlässt an die 300 Werke.

Ach, es gibt so viele interessante Details, die Michael Lemster ausgegraben und zu diesem Buch verarbeitet hat!
Erstaunt berichtet der Autor, dass es zwischen den Familienmitgliedern nur wenig schriftliche Konversation gegeben hat. Hat man sich nur wenige Briefe geschrieben oder ist die Korrespondenz vernichtet worden?
Über die Schwestern Strauss weiß man im Allgemeinen so gut wie gar nicht. Hier lüftet Lemster ein wenig den Vorhang des Vergessens.

Wie sagte, der leider bereits verstorbene Dirigent Mariss Jansons so treffend?

„Die Familie Strauss ist ein eigener Kosmos, der mit nichts in der Welt vergleichbar ist.“

Dem ist wohl wenig hinzuzufügen.

Fazit:

Zahlreiche Abbildungen und der Stammbaum der Familie Strauss vervollständigen die ausführliche Familiengeschichte, der ich gerne 5 Sterne gebe.

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Wie aus Ferenc Hoffmann Ephraim Kishon wurde

Ephraim Kishon von Silja Behre

Wie aus Ferenc Hoffmann Ephraim Kishon (1924-2005) wurde. Das erzählt uns Silja Beehre in 15 Kapiteln.

Für ihren Beitrag „Ephraim Kishon für Deutsche. Der israelische Autor und Satiriker im Literarturbetrieb der Bundesrepublik“ in „Zeithistorische Forschungen“ (2019) hat Silja Behre viel Material zu Ephraim Kishon zusammengetragen.

Das nützt sie nun, um uns den, als Ferenc Hoffmann 1924 in Budapest geborenen Schriftsteller mit einer interessanten Biografie vorzustellen.

Der aus einer ungarisch-jüdischen Familie stammende Ferenc entkommt mit seinen Eltern und der Schwester den Schergen Nazi-Deutschlands. Zahlreiche andere Verwandte werden Opfer der Shoa. Zunächst ändert er seinen Nachnamen in Kishont, um den den blöden Fragen ungarischen Kommunisten zu entgehen.

Bei der Einreise nach Israel 1949 soll, so die gängige Anekdote, die auch in seinen Büchern vorkommt, ein Beamter im Hafen von Haifa den Vornamen Ferenc durch das hebräische Ephraim ersetzt haben und Kishont zu Kishon verkürzt haben - durchaus möglich, oder geschickt erfunden.

Ephraim Kishons Satiren führten seit den 1970er Jahren immer wieder die deutschen Bestseller-Listen an. Wie erklärt sich der Erfolg des israelischen Autors im "Land der Täter"? Silja Behre begibt sich auf die Spuren Kishons in Deutschland, beleuchtet seine Beziehungen zu Verlegern und Journalisten, zu Lesern und Kritikern und diskutiert dabei auch den politischen Kishon, der sich immer wieder kontrovers zum deutsch-israelischen Verhältnis und zum Nahostkonflikt geäußert hat.

Großen Anteil am Erfolg im deutschen Sprachraum haben die österreichischen Schriftsteller Friedrich Torberg (1908-1979) und Gerhard Bronner (1922-2007), die Kishons Bücher ins Deutsche übersetzt haben. Viele Bücher sind zusätzlich von Rudolf Angerer (1923-1966) illustriert.

Silja Behre geht auch der Frage nach, wie viel von Kishons Familie in den Büchern steckt. Und wer hat das Privileg in seinen Geschichten vorzukommen? Ist das Vorbild für „die beste Ehefrau von allen“ wirklich Sara? Er selbst sagt einmal dazu, dass er zwei Familien hat: die wirkliche, die nicht sehr oft sieht und die andere, die idealisierte, die in seinem Kopf wohnt.

Ich gehöre zu jener Generation, deren Eltern alle Bücher von Ephraim Kishon im Regal stehen hatten und habe sie auch gelesen. Gut in Erinnerung sind mir „Blaumilchkanal“. in dem er die Tücke der israelischen Bürokratie schildert und „Drehen Sie sich um Frau Lot“ geblieben. Daher ist diese Biografie von Silja Behre ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten.

Fazit:

Gerne gebe ich dieser umfassenden Biografie 5 Sterne.

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Das schwere Leben der Frauen um 1800

Die Apfelrose von Birgit Hermann

Birgit Hermann entführt uns mit diesem historischen Roman in den Schwarzwald um 1800. Es ist die Zeit der Napoleonischen Kriege und ganz Europa wird von den Truppen beider Kriegsparteien verheert. Die Soldaten ziehen plündernd und bedrohlich übers Land. Wer seine Vorräte oder Wertgegenstände nicht hergibt, wird kurzerhand getötet.

Mädchen und Frauen gelten als Kriegsbeute. Daneben sorgen Unwetter für Missernten und Viehseuchen sowie immer höhere Abgaben und Frondienste an die Grundherren, zu denen auch Klöster gehören, dafür, dass den leibeigenen Bauern und ihren Familien immer weniger zum Leben bleibt.

Auch die damalige Gesellschaftsordnung, in der Frauen keine Rechte, aber dafür jede Menge Pflichten hatten, spielt eine große Rolle. So müssen Mädchen auf ihre Jungfräulichkeit achten, werden aber gleichzeitig von Arbeitgebern und Verwandten sexuell missbraucht. Als „beschädigte Ware“ werden sie nach Gutdünken an den verheiratet, der dem Täter am meisten nützlich ist. Kinder, die aus solchen Vergewaltigungen werden als Bastarde häufig misshandelt und deren Tod billigend in Kauf genommen. Verheiratete Frauen sind ununterbrochen schwanger, leisten unterernährt und häufig krank Schwerstarbeit auf Feldern und im Haus, während die Männer das wenige Geld, das zur Verfügung nur zu gerne im Wirtshaus versaufen, um der häuslichen Tristesse zu entkommen. Betrunken schwängern und schlagen sie ihre Frauen und der Kreislauf beginnt von vorne. Wenn die Bäuerinnen im Kindbett sterben, müssen die Mägde sie in allen Bereichen ersetzen. Von den Pfarrern ist auch keine Hilfe zu erwarten.

Wir lernen Helena und deren Mutter Leopoldine, die genau oben beschriebenes Schicksal erlitten hat. Zwei besondere Frauen versuchen das Leid so gut wie möglich zu lindern. Da ist zum einem Cäcilia, die mutige Äbtissin vom Kloster Friedenweiler und zum anderen Josepha, die Hebamme und Kräuterfrau. Josepha bekommt immer zu spüren, dass der Grat zwischen medizinischer Hilfe und Hexerei sehr, sehr schmal ist.

Interessant ist der Handlungsstrang, der sich mit dem Uhrmacherhandwerk beschäftigt, für das der Schwarzwald berühmt ist. In den Tischlerwerkstätten werden Tisch- und Standuhren erzeugt, die Wanderhändler jenseits der Alpen auf Märkten verkaufen. Der gefahrvolle Marsch über die Alpen ist eindrucksvoll geschildert. Über die Uhrenproduktion per se hätte ich gerne noch mehr erfahren, denn es ist immer von der Anfertigung von Uhrkästen die Rede. Die Mechanik, die eine Uhr die Zeit anzeigen lässt, wird nicht so genau erwähnt. Ich glaube mich, nach einem Besuch im Wiener Uhrenmuseum, erinnern zu können, dass Metallverarbeitung ein Zünften streng geregeltes Handwerk war. Aber, vielleicht war das im Schwarzwald anders.

Dieser historische Roman ist sehr gut recherchiert und eindrucksvoll erzählt. Das Buch lässt sich trotz des schwierigen Themas rund um die Gewalt im Leben der Frauen im späten 18. Jahrhundert sehr gut lesen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Roman 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Auftakt einer neuen Krimi-Reihe

Riviera Express - Dynamit in der Villa Nobel von Stephan R. Meier

San Remo - die durch ihr Musikfestival bekannte Blumenstadt an der italienischen Riviera direkt an der Grenze zu Frankreich gelegen, wird von einem brutalen Mord erschüttert. Der bekannte Rechtsanwalt Mario Boeri liegt tot im Garten der Villa von Alfred Nobel, in seinem Mund eine Stange Dynamit.

Der neue Chef der Polizia die Stato, der Kriminalpolizei, Commissario Tomas Gallo, beginnt gemeinsam mit seinem Team die Ermittlungen.

Recht bald ist klar, dass die Stange Dynamit nur eine Attrappe ist. Doch was sind die Hintergründe zu diesem Mord? Und spielt der Selbstmord von Boeris Klientin direkt vor dessen Kanzlei eine Rolle? Und wenn ja, welche?

Je tiefer er in die Geschäfte der Anwaltskanzlei eindringt, desto komplexer wird der Fall.

Meine Meinung:

Zunächst einmal ist das Setting in San Remo sehr ansprechend. Die Idee hat mir in ihrer Komplexität auch sehr gut gefallen und die Charaktere sind gut ausgearbeitet. Zwar werden einmal die Klischees des nervenden Vorgesetzten sowie des ungewöhnlichen Ermittlers inklusive eines Mitarbeiters mit einer Inselbegabung bemüht, doch passen die Charaktere recht gut zusammen.

Nervig hingegen ist, und das kostet den 4. Stern, dass das handelnde Personal mehrmals sogar mit dem selben Wortlaut vorgestellt wird. Wir Leser können und das schon merken, dass Gallo ein Spross einer uralten Adelsfamilie ist und mit vollem Namen Tomaso Galimberti della Casa heißt. Oder dass Sub-Commissario Antonio Rubbano ein sogenannter Savant ist, der nicht nur über ein fotografisches Gedächtnis verfügt, Gallo unbedingt loyal gegenüber ist, und seine Rituale braucht, um gute Arbeit leisten zu können. Das muss nicht mehrmals extra wiederholt werden, zumal am Ende des Krimi die Charaktere nochmals detailliert beschrieben aufgelistet sind. Solche dramatis personae wären zu Beginn des Krimis nützlicher.

Die Handlung selbst ist komplex und wir Leser wissen immer ein wenig mehr als der Commissario. Auch deswegen, weil es in kursiver Schrift Einschübe gibt, die zunächst nicht ganz einzuordnen sind, aber im Laufe der Ereignisse sehr gt zusammengeführt werden.

Der Krimi bietet hohe Spannung und unterhält durch die wechselnden Schauplätze (Gallo macht auch einen Abstecher ins französische Menton) sowie durch die Komplexität der Handlung.

Fazit:

Ein komplexer Fall, der so manchen Abgrund aufzeigt. Wegen der nervigen Wiederholungen (siehe oben) ziehe ich den 4. Stern wieder ab, daher nur 3 Sterne.

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Kärnten auf Schusters Rappen entdecken

Gemütliches Kärnten von Alois Pötz; Johann Dormann; Anni Pötz

40 ge(h)mütliche Wanderungen warten nun in Kärnten auf uns. Nach der Steiermark, der Obersteiermark, dem Burgenland sowie den grenzenlosen Wanderungen zeigen uns Alois und Anni Pötz sowie Johann Dormann, die schönsten Wege und Ausblicke in Österreichs südlichstem Bundesland.

Wir begeben uns auf vierzig Genusswanderungen und entdecken so manches Kleinod abseits der touristisch Trampelpfande.

Geografisch bzw. geologisch ist Kärnten wie folgt eingeteilt:

das Klagenfurter Becken, das größte inneralpine Becken in den Ostalpen
die Karawanken und die Karnischen Alpen im Süden
das Hochgebirge Oberkärntens mit dem Großglockner, dem höchsten Berg Österreich (3.798m)
die Gurktaler Alpen, ein Mittelgebirge zwischen der Linie Villach-St. Veit-Friesach und dem Liesertal
die Sau- und die Koralpe mit dem Lavanttal im Osten

Als halbe Kärntnerin, deren Wurzeln in Villach liegen, kenne ich die Umgebung der Draustadt natürlich am besten. Das Maibachl im Warmbad Villach habe ich auch Anfang September sprudeln gesehen.

Auf den vierzig Wanderungen kann man nicht nur Naturschönheiten wie die Obirhöhlen bewundern, sondern auch Sakralbauten wie den Dom zu Gurk oder Profanbauten wie Burg Hochosterwitz oder Landskron oder Burgruine Finkenstein sowie einige Schlösser. Nicht zu vergessen die vielfältige Seenlandschaften mit dem Millstätter See, Faaker See, die Ruhe am Weißensee oder das quirlige Treiben am Wörther See.

Jede dieser Wanderungen wird gut beschrieben. Details zu Schwierigkeitsgrad, Länge, Gezeit sowie Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ergänzen den Kartenausschnitt. Natürlich dürfen kulinarische Tipps und interessante Informationen zu Land und Leuten nicht fehlen.

Fazit:

Auf diesen 40 Wanderungen warten zahlreiche, vielleicht bislang unbekannte, Kleinode Kärntens darauf, von uns entdeckt zu werden. Von mir gibt es dafür 5 Sterne.

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Erschütternd

Qimmik von Michel Jean

In seinem neuen Roman beschäftigt sich Michel Jean abermals mit den Verbrechen der Behörden Quèbecs an der autochthonen Bevölkerung der Innu. Neben der Abnahme der indigenen Kindern, deren Erziehung in katholischen Internaten bzw. Freigabe zur Adoption, gehört das massenhafte Erschießen der Schlittenhunde zum üblichen Vorgehen der Polizei.

Mit dem systematischen Töten der, als Qimmik bezeichneten Tiere, die in der Gesellschaft der Innu mehr als nur Tiere zum Jagen oder Ziehen von Schlitten sondern als Familienmitglieder behandelt worden sind, unterbindet man das traditionelle Jagen in den nördlichen Landstrichen. Das brutale Vorgehen der Polizei in den 1960er-Jahren hat Auswirkungen auf die Gegenwart.

Die junge Rechtsanwältin Ève Beaulieu, die in einer renommierten Kanzlei in Québec arbeitet, übernimmt die Verteidigung von Uqittuk Ainalik, einem Innu, der im Verdacht steht zwei Rentner getötet zu haben. Der Mann schweigt beharrlich. Ève beginnt zu recherchieren und entdeckt, dass der Verdächtige für zwei weitere Morde als Täter in Frage kommen könnte. Die vier Toten haben eines gemeinsam: Sie sind ehemalige Polizisten im Ruhestand, die ihren Dienst im Gebiet der Autochthonen verrichtet haben.

Bei den Recherchen zu Ainalik kommt quasi nebenbei heraus, dass der Verbleib eines der vom Jugendamt „beschlagnahmten“ Kinder ungeklärt ist. Das Mädchen ist am 7. Jänner 1995 geboren - Èves Geburtstag.

Meine Meinung:

Wie schon in seinen anderen Roman erzählt Michel Jean in eindringlichen Worten vom Schicksal der autochthonen Bevölkerung Kanadas, die systematisch zur Sesshaftigkeit und damit zur Untätigkeit gezwungen worden ist.

In zwei Zeitebenen und ebenso vielen Handlungssträngen erfahren wir die Geschichte des Jägers Ulaajuk und der Saullu, die mehrere Jahre gemeinsam auf Jagd gehen, bevor auch sie in ein Reservat in Nunavik umziehen müssen.

Der Erzählstrang in der Gegenwart beschäftigt sich nicht nur mit Ainalik, sondern auch mit Èves Herkunft, die, wie sie weiß, als Baby vom Ehepaar Beaulieu adoptiert worden ist. Da sie sich sehr geliebt fühlt, hat sie nie das Bedürfnis verspürt, nach ihren leiblichen Eltern zu suchen. Der Fall um Uqittuk Ainalik, der sie als „Schwester“ bezeichnet, bringt den Stein ins Rollen.

Die Beweggründe der Behörden, (autochthonen) Minderheiten zu assimilieren und/oder zu vernichten, wie es in einigen Ländern der Welt nach wie vor passiert, werde ich nie verstehen. Die Rolle der katholischen Kirche noch viel weniger. Das Gebot „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst.“ hat sichtlich im imperialen Größenwahn keinen Platz.

Das Buch ist im kleinen, aber feinen Verlag Loijze Wieser aus Klagenfurt in gediegener Ausstattung als Hardcover mit Lesebändchen erschienen. Ich bin sehr froh, dass Michel Jeans Roman in diesem Verlag eine Heimat gefunden haben.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem erschütternden Roman über die systematische Vernichtung der autochthonen Lebensweise der Innu und Inuit in Kanada 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Fesselnd bis zur letzten Seite

Nur der See war Zeuge von Walter Christian Kärger

Nachdem der vorherige Kriminalfall (See ohne Wiederkehr) höchst komplex war, der Max Madlener bis aufs Äußerste gefordert hat, damit er seine Kollegin Harriet Holby vom Verdacht eine Mehrfachmörderin zu sein, reinwaschen konnte, scheint der Alltag im Polizeipräsidium Friedrichshafen beinahe wieder normal zu laufen, aber nur beinahe.

Harriet ist nach wie vor von den Ereignissen traumatisiert und dann betritt Miriam Mosacher die Dienststelle. 1,85 m groß (ohne die Stöckelschuhe), in feinem Zwirn und einem Auftreten, als hätte sie schon zwanzig Jahre Polizeidienst auf ihren Schultern und käme nicht frisch von der Polizeihochschule. Während Madlener ein wenig zurückhaltend wirkt, springt Kollege Götze sofort auf die neue Mitarbeiterin an. Gemeinsam, so denkt er, werden sie den nächsten Fall im Handumdrehen lösen und seine längst überfällige Beförderung wäre ihm sicher.

Meistens kommt es anders als man denkt. Denn gleich zwei Fälle brechen über das Polizeipräsidium Friedrichshafen herein. Ein tote Frau auf einer Müllhalde und das schriftliche Geständnis eines jüngst Verstorbenen, dass er vor 33 Jahren gemeinsam mit einem Freund ein Kind entführt hätte, das in seinem Versteckt erstickt ist. Den Namen des Freundes nennt er nicht.

Während sich Götze und Mosacher versuchen den Mord an der jungen Frau aufzuklären, graben Madlehner und Holtby in den Akten rund um das entführte Kind. Noch wissen sie nicht, was ihnen dieser Cold Case abverlangen wird und Kommissar Madlener seinem Spitznamen „Mad Max“ wieder alle Ehre machen wird.

Meine Meinung:

In diesem Krimi zieht Autor Walter Christian Kärger wieder alle Register. Die oft mühevollen Kleinarbeit bei der Aufarbeitung alter, ungelöster Fälle ist oft frustrierend. Wenn es dann, so wie hier, einen neuen Ermittlungsansatz gibt, wird mit neuem Elan und Volldampf versucht, spät aber doch den Täter auszuforschen und der Familie des Opfers wenn schon nicht unbedingt Gerechtigkeit, zumindest Gewissheit zu verschaffen.

Ich konnte den Krimi nicht aus der Hand legen und habe ihn in einer Nacht gelesen. Wir bewegen uns auf zwei Zeitebenen und staunen, mit welcher Kaltblütigkeit zwei junge Männer ein Kind entführen, es sterben lassen und einen Unschuldigen ins Gefängnis bringen. Ein perfektes Verbrechen - das wollten sie Gott und der Welt beweisen - ist möglich.

Auch der andere Kriminalfall rund um die Tote auf der Müllhalde legt Abgründe mancher Menschen offen, die auch davor nicht zurückschrecken, einen Polizisten in ein Verlies zu sperren.

Wie es gelingt, beide Verbrechen aufzuklären, müsst ihr selbst lesen.

Die Charaktere sind wie immer ausgezeichnet dargestellt. Der Schreibstil gefällt mir auch im achten Fall, fliegen doch Wortspielereien wie Tennisbälle zwischen Max und Harriet hin und her und entlocken mir ein Schmunzeln.

Diese Krimi-Reihe zeichnet sich dadurch aus, dass sie auch sieben Fällen ihren Schwung nicht verliert. Bei Walter Christian Kärger schafft es, den Spannungsbogen nicht nur innerhalb des aktuellen Falles sondern auch in der gesamten Reihe sehr hoch zu halten. . Ja mit jedem überführten Verbrecher, mit jedem gelösten Kriminalfall scheint das Duo Madlener/Holtby besser aufeinander eingespielt zu sein.

Fazit:

Diesem für mich persönlich besten Krimi rund um „Mad“ Max Madlener und Harriet Holtby gebe ich gerne 5 Sterne und eine Leseempfehlung. Allerdings rate ich dazu, die Reihe beim ersten Band „Das Flüstern der Fische“ zu beginnen.

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Eine kurzweilige Reise

Die erste Fahrt des Orient-Express von David Janz

Dieser kurzweilige Roman beschäftigt sich mit der Jungfernfahrt des sagenumwobenen Orient-Express.

Georges Nagelmackers‘ Traum war es, einen luxuriösen Zug, der mit allen technischen Raffinessen ausgestattet ist, als Symbol des Frieden von Paris bis nach Konstantinopel fahren zu lassen - eine Völkerverbindende Idee.

Wir steigen mit Georges und zahlreichen europäischen Diplomaten in Paris des Jahres 1883 in den Zug, Mit an Bord sind Nagelmachers schärfster Konkurrent Mortimer Pullmann, der ein riesiges Eisenbahnnetz in den USA aufgebaut hat und in Europa Fuß fassen möchte, sowie Schriftsteller Jules Verne und ein Reporter, der über die erfolgreiche Jungfernfahrt berichten soll. Noch weiß Nagelmackers nicht, dass seine Geliebte, die Frauenrechtlerin Hubertine Berthier, als Page verkleidet an Bord ist und welche Schwierigkeiten, die durchaus gewollt sind, auf ihn warten. Dabei kann Nagelmackers Probleme so gar nicht brauchen, da er unter Erfolgsdruck steht, weil er sich für seinen Traum hoch verschuldet hat.

Als er erfährt, dass sich ein Attentäter im Zug befindet, setzt er alles daran, ihn zu entlarven ...

Meine Meinung:

Ich kenne die Entstehungsgeschichte des Zuges aus Gerhard J. Rekels Sachbuch „Monsieur Orient-Express“ und war sehr gespannt wie die Fakten des Sachbuchs in einem Roman umgesetzt werden. Gleich vorweg: Das Vorhaben ist gut gelungen!

Dieser Roman ist enthält neben historischen Fakten rund um Georges Nagelmackers (1855-1905) und seines luxuriös ausgestatteten Orient-Express auch Elemente aus Agatha Christies „Mord im Orient-Express“ sowie dank des mitreisenden Jules Verne, ein bisschen Fantasy.

Für Aufregung sorgt auch „Madame“, ein weiblicher Tiger, der vom Londoner Zoo in das entfernte Indien gebracht werden soll. Tiger nach Indien? Hieße das nicht, Eulen nach Athen tragen? Was es mit der Raubkatze auf sich hat, müsst ihr schon selbst lesen. Es wird nicht das einzige Abenteuer sein, das Georges Nagelmackers und seine Gäste zu bestehen haben.

Fazit:

Ein gelungener Roman à la Jules Verne, dem ich gerne 4 Sterne gebe.

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Mit Goethe in Italien

Die Gaumenfreuden des jungen Goethe von Laura Melara-Dürbeck

Johann Wolfgang von Goethes Italienische Reise kulinarisch nacherzählt

„Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn?“ - Mit diesen Versen beginnt Laura Melara-Dürbeck die Italienische Reise des Dichters und ewig Neugierigen Johann Wolfgang von Goethe kulinarisch nachzuerzählen. Goethe unternimmt diese Reise zwischen 1786 bis 1788.

Dieses Buch betrachtet die bekannte Italienische Reise von Johann Wolfgang Goethe mit anderen Augen, mit den Augen des Genißers. Dass Goethe kein Kostverächter was Speis und Trank ist, ist wohl bekannt. Neben zahlreichen Originalzitaten können wir über so manche Anekdote schmunzeln und das eine oder andere Rezept nachkochen.
Sehr geschickt sind die kulinarischen Köstlichkeiten in den Text integriert. Zwar wird nicht alles unseren Geschmack treffen und auch Goethe war nicht von jeder Speise angetan.

Das Buch schildert auch sehr lebhaft die Unbequemlichkeiten der Reisen. Daran sollten wir vielleicht auch denken, wenn wir mit unserem Auto am Brennerpass im Stau stehen oder auf einem der Bahnhöfen oder Flughäfen aus Ab- oder Weiterreise warten. Wie einfach das heutige Reisen im Schengenraum ist, wird auch deutlich, wenn Goethe daüber berichtet, wie viele Reisepässe und Genehmigungen er mitführen musste, um von Weimar nach Italien zu gelangen.

Trotz aller Beschwernis scheint ihm die Reise gefallen und ihm, dem leicht depressiven, gut getan zu haben. Die gute Stimmung bei der Rückkehr dürfte nicht allzu lange angehalten haben, wie das Zitat erahnen lässt:

„Aus Italien, dem formreichen, war ich in das gestaltlose Deutschland zurückgewiesen, heiteren Himmel mit einem düsteren zu vertauschen; die Freunde, statt mich zu trösten und wieder an sich zu ziehen, brachten mich zur Verzweiflung. Mein Entzücken über entfernteste, kaum bekannte Gegenstände, mein Leiden, meine Klagen über das Verlorne schien sie zu beleidigen, ich vermisste jede Teilnahme, niemand verstand meine Sprache.“ (S. 150)

Schmunzeln musste ich über folgende Zeilen:

„Am 16. April 1972 ließen die Confraternita del tortellino («Bruderschaft des Tortellino») und die
Bologneser Delegation der Accademia Italiana della Cucina («Italienische Akademie der Kulinarik») das Rezept und die Maße der echten Bologneser Tagliatella, das sogenannte goldene Maß, bei der Handelskammer von Bologna hinterlegen. Die gekochte Tagliatella ist 8 Millimeter breit und entspricht dem 12.270sten Teil der Torre degli Asinelli, des mittelalterlichen Wahrzeichens von Bologna.“ (S. 62)

Da lacht mein Vermesserherz, das sich an Normen sowie abgeleiteten und geeichten Maßeinheiten erfreut.

Dieses Buch ist sehr gut gelungen. Die im Text angeführten Rezepte sind im Anhang nochmals angeführt.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem kulinarischen Streifzug, der sich an Goethes Italienischer Reise orientiert, 4 Sterne.

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