Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Gertie G.:
Hat mich leider nicht überzeugt
Brand im Alpenland von Christine Bonvin
Großveranstaltungen wie die Schi-WM 2027 werfen ihre Schatten schon lange voraus, müssen doch neben den Pisten auch Hotels sowie jene Infrastruktur, die für solche Ereignisse notwendig sind, auf Vordermann gebracht bzw. neu geschaffen werden. Das schmeckt natürlich nicht allen hier in Crans-Montana.
Einer der Gegner dieser Veranstaltung ist Paul Roh, der aufbrausende und als Querulant bekannte Eigentümer des Hotels Star, der gegen jede Veränderung wettert. Aktuell ist ihm sein Nachbar René Grand ein Dorn im Auge, weil der sein Hotel Diamant erweitern will. Roh stürmt wutschnaubend in das Diamant, bedroht die Direktionsassistentin Laura Pfeiffer und stürzt unglücklich, so dass er ins Krankenhaus gebracht werden muss. Wenig später stirbt Paul Roh beim Brand seines eigenen Hotels. Recht schnell ist klar, dass der Brand gelegt worden ist. Nur wer ist der Brandstifter?
Die Frage nach dem Cui bono?, lässt sich nicht so einfach beantworten, denn neben dem Rohs Neffen zählen auch Laura und René Grand zu den Verdächtigen.
Meine Meinung:
Die Idee, einen Krimi im Vorfeld der Schi-WM 2027 spielen zu lassen, hat mir gut gefallen, öffnet doch so eine Großveranstaltung, bei der viel Geld im Umlauf ist, Mauscheleien, offener oder verdeckter Korruption Tür und Tor. Auch Brandstiftung, um einen missliebigen Konkurrenten auszuschalten und anschließend das Grundstück günstig zu erhalten, ist immer wieder ein probates Mittel, den eigenen Profit zu steigern.
Der Krimi lässt sich leicht lesen und der Ausgang der Ermittlungen ist leicht vorhersehbar.
Die Charaktere wirken auf mich nicht sehr sympathisch. Ich bin mit keiner Person so richtig warm geworden, am ehesten noch mit dem Ermittler Pedro Lukic. Das Arbeitsklima im Hotel Diamant ist nicht besonders. Laura Pfeiffer, die zum dritten Mal ihre Nase in einen Kriminalfall steckt, finde ich sehr unsympathisch. Der Umgang mit ihrem Freund Pedro Lukic, den sie an der ausgestreckten Hand verhungern lässt, oder der Umgang mit den Kolleginnen - nein, bei mir ist sie unten durch. Auch René Grand ist wie sein toter Widersacher Paul Roh, kein Sympathieträger.
Ob ich die beiden Vorgänger lesen werde, kann ich noch nicht sagen.
Fazit:
Dieser Krimi hat mich nicht ganz überzeugt, weshalb es nur 3 Sterne gibt.
Wie Italien von einer geografischen Bezeichnung zum Staat wurde
Risorgimento! Italiens Kampf um die Einheit im 19. Jahrhundert von Klaus-Jürgen Bremm
Klaus-Jürgen Bremm, Militärhistoriker und Autor zahlreicher Sachbücher, schildert in diesem neuen Buch in elf Kapiteln die dramatischen Ereignisse, die aus den zahlreichen Fürstentümern, Stadtstaaten und Republiken auf der Apennin-Halbinsel den Nationalstaat Italien werden ließen. So erleben wir Garibaldis »Zug der Tausend« von 1860, die unzähligen Schlachten vornehmlich gegen die Truppen des österreichischen Kaiserreichs bis hin zur Einnahme Roms 1870 sowie die Entmachtung des Papstes als weltlichen Herrscher.
Zudem zeigt er auf, warum nur Rom die Hauptstadt des neuen Königreichs Italien sein konnte.
1. Italiens heitere Schönheit darf nicht gestört werden. Die Anfänge des Risorgimento 1815-1848
2. Ein hoffnungsvoller Prolog - Die italienischen Revokutionen von 1848
3. Le cinque giornate - Die fünf großen Tage von Mailand und Radetzkys Rückzug
4. „L‘Italia farà da sé“ - Italien schafft es nicht aus eigener Kraft
5. „Wo immer wir hingehen, wird Rom sein“ - Die ewige Stadt wird wieder Republik
6. Zwei Spieler auf dem Hochseil - Napoleon III, Benso di Cavour und der italienische Krieg von 1859
7. Solferino 1859 - Ein lombardisches Städtchen geht in die Geschichte ein
8. Italien schafft es doch allein - Giuseppe Garibaldi und der Zug der Tausend
9. 1866 - Italiens großes Katastrophenjahr
10. Rom oder Tod - Das lange Ringen um Italiens neue Hauptstadt 1861 - 1870
11. Fazit: Die Transformation des Risorgimento zum Faschismus
Sowohl die Einigung der deutschen Fürstentümer unter Vorherrschaft Preußens zum deutschen Kaiserreich als auch die Staatswerdung Italiens sind direkte Auswirkungen der Napoleonischen Kriege, die Europa zwanzig Jahre in Atem gehalten haben, auch wenn diese Einigung erst zwischen 1848 und 1870 vollzogen worden ist. Während Deutschland unter Bismarck relativ friedlich geeint worden ist, muss Italien nicht nur gegen die österreichischen Armeen kämpfen, sondern auch gegen den Papst Pius IX., der seine Gebietsansprüche nicht aufgeben wollte.
Interessant ist das letzte Kapitel in dem Klaus-Jürgen Bremm erklärt, wie das Risorgimento nahezu direkt in den Faschismus führt.
Fazit:
Eine kompakte Darstellung der Einigung Italiens, der ich gerne 5 Sterne gebe.
Eine Leseempfehlung
Bread of Angels von Patti Smith
Patti Smith, Universalkünstlerin und Ikone des Rock-and-Rolls, präsentiert hier ein interessantes Memoire. Sie schildert darin detailreich ihre Kindheit, ihre Beziehung zu Eltern und Geschwistern. Patti Smith ist ein typisches Kind der Nachkriegszeit in den USA. Geboren 1947 als Tochter eines ehemaligen US-Soldaten, der im Zweiten Weltkrieg unter anderem in Japan eingesetzt, entsprechend traumatisiert ist und in einer Fabrik arbeitet.
Die Mutter verdient ihr Geld als Kellnerin. Patti und ihre Geschwister sind sich häufig selbst überlassen. Patti Smith ist häufig krank, überlebt eine Polio-Infektion ohne nennenswerte Spätfolgen und flüchtet während ihrer Krankheiten in das Reich der Fantasie. Die Familie wird in Pattis Kindheit elf Mal umziehen, weshalb Patti kaum Freunde hat. Sie ist und bleibt eine Außenseiterin.
Eine Zeit lang findet sie Rückhalt in der Religion, wird Zeugin Jehovas, bis die bildende Kunst ihr einen neue Welt öffnet. Das steht im Widerspruch mit der strengen religiösen Ausrichtung der Zeugen Jehovas, für die Kunst keinen Platz im Königreich Jesu hat. Sie kehrt den Zeugen den Rücken, wird aber zeitlebens religiös bleiben.
Sie löst sich vom Elternhaus als mit 19 schwanger wird, das Kind zur Adoption freigibt und ihren eigenen weg sucht. Dieser Teil ihres Lebens ist nicht ganz so detailreich beschrieben wie die prägende Kindheit.
Es folgen die weiteren Jahre, in denen sie auch zahlreiche Verluste hinnehmen muss. Es ist die Zeit als Aids die ersten Opfer fordert. Erst spät entdeckt sie, dass der Mann, der für sie ihr geliebter Vater ist, nicht ihr leiblicher ist.
Patti Smith erzählt von ihren Erfolgen und Misserfolgen als Musikerin, vom Bühnenunfall, der sie monatelang ans Bett fesselt, ihrem Mann und ihren Kindern.
Nicht immer ist dieses Memoire chronologisch. Immer wieder schweift sie ein wenig in die Vergangenheit ab, was aber den Eindruck erweckt, sie sitze einem gegenüber und erzählt. Einige Fotos ergänzen ihre Lebensgeschichte.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Memoire 4 Sterne.
Eine gelungene Fortsetzung
Verhängnisvoller Champagner von Tom Hillenbrand
Auf einer Veranstaltung trifft Xavier Kieffer seinen Kollegen Luc Reiser, den er seit Jahren nicht mehr gesehen hat, aber mit dem ihm einige Abenteuer und Frauengeschichten verbinden. Xavier kommt wenige Tage Lucs spontaner Einladung, ihn und seine Frau Fabienne, auf dem Weingut in der Champagne zu besuchen nach.
Doch aus einem fröhlichen Wiedersehen wird nichts, denn Xavier findet Luc tödlich verletzt in seinem Weinkeller vor. Aus Lucs letzten Worten schließt er, dass auf dem Weingut zu einige Ungereimtheiten gekommen sind. Auch Fabienne, in die Xavier einst verliebt war, bittet ihn, zusätzlich zur Polizei, eigene Recherchen anzustellen, denn - so hat es den Anschein - die Polizei ermittle nicht ordentlich.
Dass dem nicht so ist, muss Xavier Kieffer am eigenen Leib erfahren, denn er gerät, nachdem es einen zweiten Toten gibt, in das Visier der Ermittler - Hausdurchsuchung in Wohnung und Restaurant inklusive. Es scheint, als hätte Xavier von den dubiosen Geschäfte in die Luc verstrickt gewesen sein soll, gewusst.
Meine Meinung:
In diesem Krimi nimmt sich Autor Tom Hillenbrand wieder des interessanten Themas Produktpiraterie an. Diesmal ist es der Champagner, der ge- und verfälscht wird, da hier hohe Gewinnmargen zu erzielen sind. Es dauert eine geraume Zeit, bis bei Kieffer der Groschen fällt, da er von den eigentlichen Drahtziehern mehrmals auf den Holzweg geschickt wird. Ja, okay, er ist kein gelernter Ermittler sondern (Sterne)Koch. Aber in seinem 8. Fall hätte er schon ein wenig vorsichtiger agieren sollen und sich selbst die übliche Frage der Kriminalisten „Cui bono - wem nützt der Tod von Luc am meisten?“ stellen sollen.
Wir erfahren in den Rückblicken in die 1980er-Jahre wie die Beziehungen sich zwischen Xavier, Luc, Leo und Fabienne entwickelt haben. Hier lassen sich schon einige Hinweise ableiten.
Ich persönlich habe ja immer ein Problem damit, wenn sich ein Person, die ich zwanzig oder dreißig Jahre nicht gesehen habe, sich plötzlich bei mir meldet und mich einlädt.
Schmunzeln musste ich über Xaviers Erinnerungen an jene Tage, wo man statt Prosecco noch Asti Spumanti gesagt hat und die sich auch mit meinen eigenen decken: Schädelweh am nächsten Morgen.
Für diejenigen von uns, die Sekt oder Champagner nicht nur genießen wollen, sondern sich auch für dessen Herstellung interessieren, gibt es eine ausführliche in die Kellereiarbeit. Ich durfte die Arbeitsschritte der „Méthode traditionelle“ wie das Rütteln der Flaschen (händisch oder automatisch in den französischen Giro Palettes), das Gegorgieren sowie die anschließende Dosage in einer bekannten Sektkellerei in Wien kennenlernen.
Wieder mit dabei sind Xaviers Freundin Valerie, sein argentinischer Freund und Restaurantbesitzer Leo soewi der trinkfeste Finne Pekka Vatanen.
Der Ausflug in die Familiengeschichte von Xavier Kieffer habe ich fast spannender gefunden, als die Auflösung des Krimis.
Der Schreibstil ist flüssig. Das letzebergische (=Luxemburgisch) Lokalkolorit und die Kulinarik kommen nicht zu kurz.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Cozy-Krimi 4 Sterne.
Ein gelungener Reihenauftakt
Die weiße Nacht von Anne Stern
Der Winter des Jahres von 1946/47 wird als Hungerwinter in die Geschichte eingehen, in dem Tausende Menschen im zerstörten und von den alliierten besetzten Deutschland infolge von Krankheiten, Hunger und Kälte sterben. Wer keine Habseligkeiten mehr hat, um sie am Schwarzmarkt gegen etwas Essbares zu tauschen, stöbert in den Trümmern nach etwas Brauchbarem.
Die junge Fotografin Lou Faber sucht in den Ruinen von Berlin nach geeigneten Motiven, um die Fotos an Magazine zu verkaufen. Dabei entdeckt sie eine Frauenleiche, deren Hände gefaltet sind. Die herbeigerufene Polizei glaubt zunächst an ein weiteres Kälteopfer, doch mit Hilfe von Lous Foto wird dem ermittelnden Kriminalkommissar Alfred König klar, dass es sich um einen Mord handelt und diese tote Frau wird nicht die einzige Leiche bleiben.
So kurz nach dem Ende des NS-Regimes liegt der Verdacht nahe, dass sich jemand für erlittenes Leid rächen will ...
Meine Meinung:
Dieser Krimi, der in den ersten Nachkriegsjahren in Berlin spielt, ist Auftakt einer neuen historischen Krimireihe von Anne Stern. Nach der Reihe, rund um die Dresdner Oper oder jene um die Hebamme Hulda Gold, bieter diese neue Reihe Spannung und historisches Wissen.
Die Charaktere sind wie immer bei Autorin Anne Stern sorgfältig ausgearbeitet. Sowohl Lou Faber als Kriminalkommissar Alfred König habe ihre Ecken und Kanten, sowie ihre Traumata aus den vergangenen Kriegsjahren. Obwohl die beiden unterschiedlicher nicht sein könnten, haben sie den eisernen Willen den oder die Täter ausfindig zu machen und die Morde aufzuklären.
Auch die Nebenfiguren wie die Jugendlichen Gerti und Justus, die mit allen Wassern gewaschen sind, sind geschickt gezeichnet- Die beiden kennen sich am Schwarzmarkt bestens aus, um überleben zu können und schrecken auch vor kriminellen Handlungen nicht zurück.
Am Silvesterabend 1946 wird der Kölner Erzbischof Joseph Kardinal Frings in seiner Predigt den Mundraub für den rechtfertigen. Wenig später wird sein Nachname als Synonym für das Organisierens von Nahrung und Kohle - fringsen.
Wie schon die anderen Romane ist auch dieser hier penibel recherchiert und gekonnt erzählt. Das Cover ist sehr gut gelungen, zeigt es doch die in Trümmern liegende Welt durch den Sucher einer Kamera.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem historischen Krimi, der bis zur letzten Seite fesselt, 5 Sterne und eine Lesempfehlung.
Fesselnd bis zur letzten Seite
Die Atompriester von Rolf Sakulowski
Der junge Elias trifft in einem Berliner Café eine jungen Frau, die ihn fasziniert. Man kommt ins Gespräch und weil Elias ohnehin über einen Job- und Ortswechsel nachdenkt, nimmt er ihr Angebot an, für eine NGO, die sich zur Aufgabe gemacht hat, nachfolgende Generationen vor dem heutigen Atommüll zu warnen.
Noch weiß Elias nicht, dass er in die Fänge einer sektenähnlichen Gemeinschaft gerät, die ihr eigenes Süppchen kocht.
Er folgt der Frau in ein Kloster in den Pyrenäen, wird zum Atompriester geweiht und widmet sich in der Bibliothek der ihm übertragenen Aufgaben. Als er eines Nachts eine Entdeckung macht, beginnt er an der Redlichkeit des Ordens zu zweifeln. Er beginnt eigene Nachforschungen und kommt einem gefährlichen Geheimnis auf die Spur.
Meine Meinung:
Das Thema Atomkraft und Endlagerstätten für Atommüll bietet ein breites Feld an Verschwörungstheorien, weil sich weder Staaten noch Betreiber von Kernkraftwerken in die Karten schauen lassen. Die ungeklärte Frage, wie und wo Atommüll gelagert werden soll bzw. kann, wird die Menschheit noch länger beschäftigen. Fässer mit radioaktiven Material einfach in die Meere zu kippen, wie in der Vergangenheit leider oft üblich, ist, wie man weiß, nicht der Weisheit letzter Schluss.
Autor Rolf Sakulowski hat hier einen fesselnden geschrieben, in dem sich langsame Stellen und rasante abwechseln. Hauptcharakter Elias ist sympathisch und glaubhaft beschrieben. Manchmal wirkt er in seinem Glauben an seine „Mission“ ein wenig naiv.
Üblicherweise bin ich ja kein großer Fan von Verschwörungstheorien, aber bei den Machenschaften der Atom-Lobby, wo es um sehr viel Geld und Macht geht, bin ich schon versucht, das Schlechteste anzunehmen.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Thriller, der mit einem für mich nicht unerwarteten Ende aufwartet, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Eine Leseempfehlung
Die MörderMitzi und der eiskalte Tod von Isabella Archan
Die Berghütte, die bei strahlendem Sonnenschein und glitzerndem Schnee das Cover ziert, ist für die Protagonisten hier nur ein Wunschtraum ...
Worum geht’s?
Maria Konstanze Schlager, besser bekannt unter jenem Spitznamen, den man ihr, der Überlebenden einer Brandkatastrophe, schon in der Schule übergestülpt hat, nämlich Mörder-Mitzi, gönnt sich ein achttägige Auszeit unter der Anleitung ihres ehemaligen Therapeuten Dr.
Rannacher. Die bunt zusammengewürfelte Schar trifft auf der tief verschneiten Tannenzapfen-Hütte, die auf rund 1700 Meter Seehöhe liegt, mit einem grandiosen Ausblick auf den Dachstein, aber ohne Strom oder ähnlichen Annehmlichkeiten der Zivilisation, ein.
Es kommt, wie es kommen muss, Mitzi stolpert über eine Leiche. Ein Mann steckt in einem Schneemann. Rannacher kommt zu dem Schluss, den anderen Teilnehmern nichts von diesem makabren Fund zu erzählen. Wenig später gibt es im Mädelszimmer eine (weitere) Tote. Nanne, die nervige Influencerin, liegt tot im Stockbett.
Ein Sturm und ein Defekt im Notfallhandy verhindern die Kontaktaufnahme mit der Außenwelt. Die Mitglieder der Gruppe sind einander ohnehin nicht grün, weshalb sie sich gegenseitig belauern: Wer ist der Täter oder die Täterin? Und wer wird das nächste Opfer sein?
Meine Meinung:
Mitzi kann es natürlich nicht lassen, sich Gedanken über Motiv, Tat und Täter zu machen und Fragen zu stellen. Das kommt naturgemäß nicht sehr gut an. Aber, was soll man sonst auf einer eingeschneiten Hütte machen?
Da die Mitzi diesmal ohne ihre beste Freundin und Polizistin Agnes unterwegs ist, hält sie gedanklich Zwiesprache mit ihr. Sie stellt Thesen auf, an denen wir Leser teilhaben und unsere eigenen Überlegungen anstellen dürfen. Ich habe recht schnell eine mögliche Spur zur Auflösung gefunden, die sich letztlich bestätigt hat. Doch bis es soweit ist, schickt uns Autorin Isabella Archen noch ein bisschen in die Irre.
Der bekannt humorvolle Schreibstil der Autorin sorgt auch diesmal für ein Schmunzeln. Für diejenigen, die mit dem österreichischen Idiom nicht so ganz auf Du stehen, gibt es im Anhang ein Glossar.
Traurig ist die Vorgeschichte, wie Mitzi zu ihrem Spitznamen gekommen ist.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem 6. Band der Reihe, der als Locked-Room-Krimi angelegt ist, 4 Sterne.
Ein gelungener Reihenauftakt
Die Chemie des Verbrechens - Die Fährte von Sabine Weiß
Dieser Krimi ist Auftakt zu einer neuen Reihe, rund um die DNA-Forensikerin Dr. May Barven, die zunächst beim LKA als Expertin für DNA-Analysen gearbeitet hat und sich nun, nach einem Jura-Studium, als Strafverteidigerin selbstständig gemacht hat. Doch ohne Aufsehen erregenden Fall ist May Barven zwischen Haushalt, Kindererziehung und ihrem Mann sowie der winzigen Kanzlei im Homeoffice hin und her gerissen.
Schon denkt sie daran, ihre Kanzlei wieder zu schließen, als sie von einem DNA-Treffer in einer Ahenforschungsdatenbank hört, der zu einem 18 Jahre alten Cold Case führt. Ist der Mörder der brutal erstochenen Ute endlich entlarvt?
Während ausgerechnet Ruben Rickleff, der Eigentümer dieser Datenbank als mutmaßlicher Täter verdächtigt wird, weiß May Barven, dass eine Anklage, die ausschließlich auf einer DNA-Analyse beruht, juristisch nicht haltbar ist. Trotzdem wird Ruben in Untersuchungshaft genommen. Gemeinsam mit Tarek, einem Privatdetektiv und Freund Rubens versucht May Barven, die Unschuld der Verdächtigen zu beweisen.
Schritt für Schritt zerpflückt May die Aussagekraft der DNA-Analyse, die von einem Schal Utes stammt, der 18 Jahre lang auf dem Dachboden ihrer Eltern nicht sehr sachgemäß aufbewahrt worden ist. Wird es gelingen, die Unschuld von Ruben Rickleff zu beweisen?
Meine Meinung:
Ich kenne Sabine Weiss‘ Bücher schon seit vielen Jahren, sei es die historischen Romane oder sei es ihre Krimis um Liv Lammers, daher musste ich diesen Reihenauftakt unbedingt lesen.
Ich finde die Perspektive der Verteidigung sehr interessant. Üblicherweise endet ja ein Krimi mit der Festnahme des Täters, was danach bis zu einer Verurteilung oder einem Freispruch passiert, erfahren die Leser nur, wenn sie sich mit Justiz-Krimis beschäftigen.
Dass uns Sabine Weiss am Geschehen der Vergangenheit teilhaben lässt, aber nicht alle Karten aufdeckt. macht den Krimi besonders spannend. Allerdings wirkt, für mich persönlich, so manche Information aus der Gegenwartshandlung zu detailverliebt. Besonders dem Familienleben Mays wird sehr viel Raum geschenkt. Dass ihr kleiner Sohn mit einem Mädchen aus dem Kindergarten Knatsch hat, bringt die Handlung nicht wirklich weiter. Mir ist schon klar, dass hier die Mehrfachbelastung der engagierten Juristin gezeigt werden soll. Und im ersten Band einer Reihe müssen die Charaktere, die bleiben, ein wenig ausführlicher beschrieben werden. Ich denke Tarek wird auch weiter eine Rolle spielen, nach dem er sich mit May zusammengerauft hat. Und wer weiß, vielleicht holt sich Ruben Mays Expertise für sein DNA-Labor.
Sabine Weiss beherrscht ihr Handwerk! Zum Beispiel hat mich das eigenartige Verhalten von Rubens Vater Ferdinand auf den Holzweg geführt, allerdings hat er auch Dreck am Stecken.
Geschickt flicht die Autorin ihr Wissen über die DNA-Analysen in die Handlung ein. So erfahren wir Leser doch einiges Neues. Auch mit den Grenzen der DNA als Beweise werden angesprochen. Schmunzeln musste ich über die Vergleich mit den diversen CSI-Staffeln.
Fazit:
Ein gelungener Auftakt einer neuen Krimi-Reihe, dem ich gerne 4 Sterne gebe.
Hat mich leider nicht überzeugt
Die letzte Karte des Johann Philipp Andreae von Roland Ballwieser; Petra Rinkes
Ina, eine angehende Journalistin, betreibt mit ihrer Großmutter Angie, einer pensionierten Geschichtslehrerin, den beliebten „True-Crime-Podcast“, der sich mit historischen und zeitgenössischen Kriminalfällen beschäftigt.
Als sie in der aktuellen Folge das Leben des zwielichtigen Globenbauer Johann Philipp Andrae (1699-1760), der 1760 im Schwabacher Kerker gestorben ist, beleuchten, ahnen sie noch nicht, welchen Social Media Hype sie damit auslösen.
Es geht das Gerücht um, es gäbe einen Schatz zu finden. Aus nach und fern reisen Schatzsucher an, die sich - von einem unbekannten Account leiten lassen.
Wenig später kommt es zu merkwürdigen Unfällen, die als „Fluch des Globenbauers“ subsummiert werden. Als es dann noch einen Toten gibt, ist trotz der hohen Like- und Klick-Zahl, Schluss mit lustig für Ina und Angie. Sie können sich diese Vorgänge nicht erklären.
Meine Meinung:
Als Vermesserin habe ich zunächst einmal unter „Karte“ eine Landkarte des Globenbauers verstanden und nicht eine Spielkarte, die hier eine gewichtige Rolle spielt. Da sieht man wieder was das Unterbewusstsein und Priming ausmacht (lach).
Ich habe gehörigen Argwohn den Social-Media-Communities gegenüber. Das Autoren-Duo zeigt deutlich, wie einfach Massen manipuliert werden können. Hier wird der natürliche Spieltrieb und die Neugier der Menschen ausgenützt, ohne an eventuelle Folgen zu denken. Wir erleben es ja ununterbrochen, dass durch Fake News falsche Wahrheiten verbreitet werden.
Der Krimi und seine Protagonisten haben mich nicht ganz überzeugt, daher gibt es nur 3 Sterne.
Eine Leseempfehlung
Wer die Toten stört von A. Rae Dunlap
James Willoughby, ein junger verarmter Adeliger, will sich seinen Traum, Arzt zu werden, erfüllen und stürzt sich im Jahr 1828 im schottischen Edinburgh voller Begeisterung, aber mit einer entsetzlichen Naivität, in das Studium.
Eiegtnlich hat er wenig Vorstellung, was ihn erwartet. Zum einem wird theoretischer Unterricht geboten und zum anderen müssen praktische Kenntnisse an echten Leichen in privaten Anatomieschulen erworben werden.
Doch die kosten extra Geld. Geld, das James nicht hat. Ein Studienkollege bietet einen Ausweg und wenig später gerät James in die Untiefen des Leichenhandels. Zunächst werden nur vor kurzem Bestattete aus den Friedhöfen der Stadt entwendet.
Als die Nachfrage nach frischen Leichen das Angebot übersteigt und eine neue Gruppe von Leichenräubern mitmischt, die auch nicht davor zurückschreckt, Menschen zu ermorden, wird es für James gefährlich.
Meine Meinung:
Hintergrund dieses historischen Krimis ist die Tatsache, dass es für die anatomischen Studien zu wenig Leichen gegeben hat. Damals durften nur die Körper hingerichteter Verbrecher für Sektionen verwendet werden. Man behilft sich unter stillschweigender Duldung der Anatomen damit, die Körper frisch bestatteter Menschen zu stehlen. Leichenraub wird damals lediglich als Vergehen bewertet.
Die Autorin hat rund um die wahre Geschichte der Leichenräuber William Burke und William Hare, die in den Jahren 1827 und 1828 insgesamt 16 Morde begangen haben, um die frischen Leichen an den Anatomen Robert Knox zu verkaufen. Die im Krimi beschriebene Mary Patterson sowie Darf Jamie sind ebenfalls reale Opfer von Burke und Hare.
Dieser Krimi ist recht authentisch beschrieben, zeigt er doch die Lebenswirklichkeiten der damaligen Gesellschaft auf. So erwartet die Familie von James, dem jüngsten Sohn, dass er die Schulden, die der verstorbene Vater hinterlassen hat, dadurch begleicht, dass er eine Stelle als Kaufmann antritt. Die anderen Familienmitglieder wie Bruder und Schwester frönen ihrem üblichen Lebensstil. James will aber unbedingt Arzt werden. Allerdings geht er die Sache mit einer Naivität an, die schon wirklich peinlich und schier unglaublich wirkt. Doch im Laufe der Geschichte entwickelt er sich von einem schüchternen Außenseiter zu einem tatkräftigen jungen Mann.
Geschickt verknüpft die Autorin die historischen Fakten mit Fiktion. Dabei gelingt es ihr, die Lebensumstände der unterschiedlichen Protagonisten sehr gut darzustellen. Selbst der trockene britische Humor findet seinen Platz.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem historischen Krimi, der uns in das Medizinstudium im 19. Jahrhundert entführt, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.











