Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Harakiri:
Das Glück der anderen darf man nicht stehlen
Alle Farben meines Lebens von Cecelia Ahern
„Ich will die Stimmungen der anderen nicht, ich will meine eigenen“ (S.314)
Synästhesie – als 8-Jährige merkt Alice, dass sie die Stimmung ihrer Mitmenschen als Aura wahrnehmen kann. Für sie ist das ein Schock, hat sie doch Angst, die misstönenden Stimmungen der anderen in sich aufzunehmen.
Ihre Familie ist ihr kein wirklicher Halt, die Mutter krank, der Bruder kriminell und der andere Bruder ausgewandert. So muss sich Alice ihren Platz im Leben hart erkämpfen.
Alice‘ Geschichte hat mich tief berührt. Wie sie es schafft, sich aus ihrem traurigen Leben zu befreien und ihre Erfüllung zu finden. Diesen Weg bin ich gerne mit ihr gegangen, Ahern hat es geschafft, dass man sich sehr gut in Alice einfühlen konnte.
Dabei gibt Ahern jedem Lebensabschnitt ein eigenes Kapitel mit einer bestimmten Farbe. Was mich ein wenig gestört hat waren die harschen Übergänge mancher Absätze. Man wähnt sich in der Gegenwart, die Handlung switchte aber in die Vergangenheit. Hier hätte man vielleicht die Wechsel in einer anderen Schriftart darstellen können.
Fazit: eine schöne Geschichte, die zum Nachdenken und Mitfühlen anregt.
Auf dem Klappentext des Buches steht bei mir ein falscher Name: Violet statt Alice.
Ergreifend und aufwühlend
Die guten Frauen von Safe Harbour. Ein lebensbejahender Roman über Freundschaft und Versöhnung von Bobbi French
Ein Buch mit Tiefgang.
Das Debut der Autorin hat mich gleich von Anfang an gefesselt. Edie, Frances und die anderen sind sehr sympathisch und durch Frances Erkrankung entsteht eine Brisanz, die zum Nachdenken anregt.
Frances ist ein sehr ergreifender Charakter. Sie hatte kein einfaches Leben und als sie beschließt, keine lebensverlängernden Maßnahmen zu ergreifen, schockiert sie ihr Umfeld.
„Ich hatte nie Freunde“ . – oh doch, die hat sie. Sie weiß es nur nicht. Besonders Edie sticht hier hervor, die ihr die letzten Tage noch viele Wünsche erfüllen möchte. Oder der Umgang von Annie mit Frances – das ging so richtig in die Tiefe.
Frenchs Schreibstil ist mitreißend und aufs Nötigste reduziert. Dennoch hat man beim Lesen das Gefühl, die Charaktere genau zu kennen. Durch eine Prise Humor wird das allzu schwere Thema immer wieder aufgelockert. Und das fand ich auch gut so. Ich hätte sonst keinesfalls das ganze Buch am Stück lesen können, zu sehr hat es mich mitgenommen und am Ende (aber auch teilweise zwischendurch) zu Tränen gerührt.
Fazit:
Die guten Frauen von Safe Harbour lassen einen nicht so schnell los. Und das ist auch gut so.
absolut klasse
Kalt und still von Viveca Sten
Viveca Sten sammelt ihre Inspirationen quasi im Vorbeigehen. Der aktuelle Thriller entstammt einem Impuls von einem Skiurlaub.
Amanda verschwindet nach einer Party spurlos.
Hanna Ahlander verliebt Job und Lebensgefährten an einem Tag und muss erst wieder zu sich finden. Sie findet Ruhe im Ferienhaus ihrer Schwester und Bestätigung bei der Mitarbeit zur Aufklärung des Verbrechens an Amanda.
Ein gutes Buch zeichnet sich dadurch aus, dass man es kaum aus der Hand legen kann. Ein sehr gutes dadurch, dass man sich gestört fühlt, wenn man durch andere Dinge beim Lesen unterbrochen wird. Und genau hier siedle ich den neuen Thriller von Viveca Sten an. Einmal begonnen, kann man das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
Vor allem die kursiven Szenen, in denen Amanda von sich erzählt haben Gänsehautfaktor.
Sten gelingt es wieder, mit wenigen Worten eine Atmosphäre zu schaffen, die fesselt. wurde ich auch mit ihrer neuen Ermittlerin noch nicht ganz warm – Hanna ist zwar taff, aber wieder zu viel im Alleingang unterwegs – waren mir die anderen Charaktere, allen voran Daniel gleich sympathisch.
Fazit: Kalt und Still ist der Auftakt einer neuen Reihe von Viveca Sten und ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Band.
mitreißend
Das verborgene Paradies von Luca Di Fulvio
Als Susannas Ehemann ermordet wird, gerät Susanna unter Mordverdacht und wird verdächtigt, eine Hexe zu sein. Im Jahre 1633 das sichere Todesurteil. Ihr Jugendfreund Daniele versucht alles, um ihr bei ihrem Prozess zu helfen und einen Freispruch zu erwirken. Doch die Gegner scheinen übermächtig.
Die Handlung wird abwechselnd auf zwei Zeitebenen erzählt, was die Spannung sehr hoch hält.
Der Einstieg fiel mir ein klein wenig schwer, weil teilweise Erklärungen fehlten, die dann erst im nächsten Kapitel aufgeklärt wurden. Dennoch war der Einstieg sehr mitreißend mit der Geburt von Susanna und dem Tod von Danieles Mutter und seinen „Eintritt“ ins Kloster.
Der Prozess zieht sich über weite Strecken des Buches, was mich sehr fasziniert hat. Weiß man doch, dass solche Prozesse früher eher eine Farce waren und die Delinquenten keine Chance hatten. Doch Daniele steht Susanna treu zur Seite und hat mich manches Mal sehr überrascht.
Mit Susanna und Daniele ist DiFulvio wieder ein Pärchen gelungen, dem man gerne folgt. Die unbeugsame Susanna und der aufrichtige Daniele, der seinen Platz im Leben mühsam finden musste konnten mich voll überzeugen. Auch die Antagonisten sind dem Autor sehr gut gelungen und waren gut ausgearbeitet.
Das Ende hatte ich mir anders vorgestellt, aber es ist schlüssig und authentisch.
Fazit: Mit „Das verborgene Paradies“ zieht der Autor den Leser tief hinein ins Mittelalter und Frauen, die unterdrückt werden und sich nichts zu sagen trauen, weil sie um ihr Leben fürchten.
Fake(t)
Fake - Wer soll dir jetzt noch glauben? von Arno Strobel
Was ist Fake und was ist Fakt und wie unterscheidet man dies in der fortgeschrittenen digitalen Welt?
Dieser Frage geht Arno Strobel in seinem neuen Thriller nach.
Patrick Dostert lebt mit seiner Frau Julia ein beschauliches Leben. Doch dann steht eines Morgens die Polizei vor der Tür und verdächtigt ihn des Verschwindens einer Frau.
Patrick beteuert seine Unschuld, doch die Fakten sprechen gegen ihn. Seine Freunde und seine Frau wenden sich von ihm ab, einzig sein Rechtsanwalt glaubt an ihn.
Eigentlich bin ich wieder viel zu schnell durch dieses Buch gerast. Aber bei Strobel kann man einfach nicht aufhören zu lesen, weil auf jeder Seite so viel passiert, dass man förmlich an den Seiten klebt. Strobel baut sein neues Buch etwas anders auf als gewohnt. Der Verdächtige berichtet selbst, wie es zur Verhaftung kommt und – in kursiver Schrift – den Alltag aus der JVA. Gegen Ende des Buches switcht die Erzählung zu seinem Anwalt und dessen Detektiv
Bereits der Prolog hat es in sich und wenn ich auch einen leisen Verdacht hatte, wie alles zusammenhängt, lag ich doch am Ende nicht ganz richtig. Denn Strobel schreibt nicht einfach nur Thriller, er tut alles, um seine Leser bis zum Schluss hinzuhalten. Er baut Wendungen ein, legt falsche Fährten – kurz: unterhält blendend.
Fazit: Diesen Thriller besser nicht auf dem Liegestuhl in der Sonne lesen. sonst: Sonnenbrand garantiert!
sehr schön geschrieben
Mehr als die Ehre von Melanie Metzenthin
Bereits der 4. Band um die Psychotherapeutin Friederike von Aalen. Wir befinden uns mitten im 2. Weltkrieg und Friederike hält an ihrer Aufgabe, behinderten Menschen ein neues Zuhause zu geben und auf ihrem Gestüt vor der SS zu verstecken, fest. Doch das Idyll gerät jäh in Gefahr als ein neuer Nachbar auftaucht und ein toter Mann gefunden wird.
Seit dem 1. Buch mag ich die Reihe sehr gerne. Friederike ist sehr sympathisch und die Handlung immer sehr mitreißend. Die Autorin versteht es sehr gut, das Flair und Zeitgeschehen der damaligen Ziet einzufangen und den Leser an die Zeilen zu fesseln. Durch die Entlarvung durch die SS wird die Handlung im neuen Band sehr spannend und man kann das Buch kaum aus der Hand legen.
Fazit: Ich habe regelrecht mit den Charakteren mitgefiebert, dass ihr waghalsiger Plan aufgeht und freue mich schon auf den nächsten Band.
wo ist der rote Faden?
Zwischen heute und morgen von Carmen Korn
Natürlich war ich neugierig wie es den Familien aus Carmen Korns „Und die Welt war jung“ weitergeht. Leider kam ich kaum in die Handlung und verzettelte mich trotz Vorbemerkungen und Stammbaum ein wenig in den vielen Personen. Auch ein roter Faden fehlte mir im Buch. Einzig die Geschichte Pips war einigermaßen durchgängig.
Der Rest wurde irgendwie dazugequetscht.
Zugegeben: Schön geschrieben war das Buch wieder und ich mag Korns Schreibweise auch sehr gerne. Die Schicksale der Protagonisten haben mich bewegt. Vieles war aber nur kurz angeschnitten, so der Brand der Hütte, die Radikalisierung Katharinas, die Krankheit Elisabeths, …
So war der Lesefluss etwas schwierig und die Handlung wirkte etwas abgehackt.
Fazit: vom Schreibstil her top, aber ich glaube, die Autorin packte ein wenig viel in ein Buch, so dass der Inhalt etwas oberflächlich blieb.
mitreißend
Unsre verschwundenen Herzen von Celeste Ng
Nach „Kleine Feuer überall“ nun der neue Roman einer Ausnahmeautorin.
Celeste Ng legt den Finger in die Wunde. Das Thema ihres neuen Romans ist Ausgrenzung. Sie zeichnet eine fiktive Welt in den USA in einer gar nicht so fernen Zukunft. Kinder werden von ihren Eltern entfernt, wenn die Eltern nicht regelkonform leben oder sich etwas zuschulden kommen lassen.
Natürlich geschieht diese „Aktion“ immer gegen den Willen der Kinder. Auch Noah, 12 Jahre und von seiner Mutter Bird genannt, muss diese Erfahrung machen, als seine beste Freundin Sadie verschwindet. Noah, dessen Mutter ihn vor 3 Jahren verlassen hat, sucht Antworten. Und macht sich auf die Suche nach seiner Mutter.
Ein Buch, das zum Nachdenken anregt. Wohin geht die Welt? Kann es zu solch einem Szenario auch tatsächlich kommen? Aber auch ein Buch, das zeigt, was Mutterliebe ist.
Den Einstieg fand ich etwas schwierig. Bis man weiß, was PACT ist und wie die Menschen damit leben. Aber als Bird sich auf die Suche nach seiner Mutter macht, war ich hin und weg. Atmosphärisch dicht geschrieben und sehr mitreißend, authentisch und beklemmend.
Fazit: Birds Geschichte ist nichts, das man schnell vergisst.
Sehr spannend
Einsame Nacht von Charlotte Link
Kate Linville fühlt sich einsam. Und möchte daran etwas ändern. So meldet sie sich zu einem Single-Kochkurs an und gerät gleich in ihren nächsten Fall: eine Teilnehmerin wurde in ihrem Auto ermordet. Kate beginnt zu ermitteln, doch dann tauchen weitere Leichen auf und schließlich gerät sie selbst in Gefahr.
Charlotte Links Krimis sind immer ein Garant für Spannung. Auch in ihrem neuen Buch habe ich mich wieder sehr gut aufgehoben gefühlt. Die Handlung ist gut durchdacht, sehr verzwickt und scheinbar ohne Zusammenhänge. Dazu kommen noch Kapitel aus der Sicht des Mörders erzählt, die tiefe Einblicke in seine Seele und die Hintergründe für seine Tat bieten.
Da das Buch im Winter spielt, bekommt es zudem noch eine ganz eigene Dramatik durch die Kälte und den Schnee, der Spuren leicht verfolgbar macht. Und als dann auch noch ein Baby entführt wird, steigt die Spannung ins Unermessliche. Wobei man die durch intensivere Schilderungen noch zusätzlich hätte steigern können.
Das Buch beginnt und endet mit Einsamkeit. Von der es unterschiedliche Arten gibt, die Link gut in ihre Handlung einflicht.
Fazit: Schon die ersten Seiten sind sehr spannend und mitreißend geschrieben und so zieht sich das durch das ganze Buch. Man mag das Buch gar nicht aus der Hand legen, weil es immer neue Höhepunkte und Wendungen gibt, die man gerne weiterverfolgen möchte.
Wenn die Fantasie keine Grenzen kennt
Fairy Tale von Stephen King
Mutige Leute helfen, feige Leute machen Geschenke
Charlie ist erst 17 als sich sein Leben radikal ändert. Weil er ein Versprechen einzulösen hat, bleibt er nach dem Unfall seines Nachbarn bei ihm und kümmert sich um ihn und dessen Hund. Doch Mr Bowditch hat ein Geheimnis, das er Charlie nach seinem Tod eröffnet.
Charlie sieht die Chance, den geliebten Hund zu retten und begibt sich in eine Welt, die ihm unbekannt ist und die ihm einiges abverlangt.
Der Anfang des neuen Romans von Stephen King wird sicher polarisieren. Denn nahezu das erste Drittel geht als Vorgeschichte einher. Allerdings eine Vorgeschichte, die mir persönlich sehr gut gefallen hat. Macht sie doch das Wesen Charlies aus und lebt von der erzählerischen Kunst des Autors. Keine Seite fand ich langweilig.
Charlie hatte gleich meine Sympathie, auch wenn er sich selbst als etwas aufsässig hält und findet, dass er schlimme Dinge getan hat. Aber seine Art, dem alten Mann zu helfen, verdient wirklich Bewunderung. Auch die anderen Charaktere sind sehr vielschichtig und interessant, besonders die Bewohner der Anderwelt. Hier hat jeder seine Qualitäten und auch die Art, wie King die Welt beschreibt und aufbaut hat mich überzeugen und ob der Einwohner auch streckenweise rühren können.
Teilweise hat man fast den Eindruck, man würde ein Buch für Kinder lesen, der Märchen wegen. Doch King wäre nicht King, wenn er nicht gruselige Elemente und auch stellenweise Abschnitte einbauen würde, die einen starken Magen erfordern.
Fazit: Fairy Tale ist ein Märchen für Erwachsene, das sich zuweilen Elemente aus der Mythologie und von Kindermärchen ausleiht, dann aber doch ganz eigene Wege geht und die zu fesseln und zu überzeugen wissen.











