Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Jassi Etter:
90er-Liebe für das Ü30-Herz
Kind der 90er von Michèle Voigt
Das Buch liest sich in einem Rutsch und ich habe mich durch die vielen Erinnerungen der Protagonistin und die eingestreuten Songtitel wieder in die 90er zurückversetzt gefühlt. Das hat die Autorin wirklich gut drauf. Auch den Schreibstil fand ich angenehm und flüssig zu lesen.
Der einzige Nachteil, der für mich entstand ist, ist der, dass sich das Buch eher wie eine Hommage an die 90er liest und die die Geschichte ein bisschen in den Hintergrund rückt.
Ich konnte mich mit den Charakteren nicht so sehr identifizieren und bin immer wieder in meine eigenen Erinnerungen abgeschweift.
Eine nette Geschichte für zwischendurch und jedenfalls viel 90er-Liebe, die das Leser_innen-Herz aufblühen lassen kann.
olles Buch, tolle Geschichte und sehr interessant Charaktere
Leichte Böden von David Fuchs
Die Handlung ist schnell erzählt: Daniel ist ein Lehrer, der nicht unbedingt einer sein will und hat ungewollt ein Jahr frei. Er besucht seine Tante, deren dementen Mann und den ehemaligen Nachbarn und jetzt Mitbewohner der beiden, der ebenfalls Unterstützung im Alltag braucht. Eine Jugendfreundin von Daniel gibt es in der Konstellation auch noch.
Er fühlt sich sehr schnell verantwortlich und macht sich daran, das Leben der Alten umzukrempeln und aus seiner Sicht zu verbessern...mit verheerenden Folgen.
Soviel zur Handlung, aber was sich dazwischen abspielt, ist viel mehr.
Das Buch lässt sich in einem Ruck durchlesen, wobei es empfehlenswert ist, hin und wieder innezuhalten und die ganzen Gefühle zwischen den Zeilen bewusst wahrzunehmen. David Fuchs hat eine sehr gute Beobachtungsgabe und schafft es, kurz und knapp in Worten zu beschreiben, was sich zwischenmenschlich abspielt.
Wenn Gegenwart und Vergangenheit aufeinanderprallen
Bonfire Sie gehörte nie dazu von Ritter Krysten
Die Handlung des Buches ist kurz erzählt. Abby Williams – aufgewachsen in einer Kleinstadt – lebt nun in Chicago und ist Umwelt-Rechtsanwältin. Als sie einen Fall übernimmt, der eine Firma in ihrer Heimatstadt betrifft, wird schnell klar, dass Abby von ihrer Vergangenheit wieder eingeholt wird.
Und so ist es auch…vor Ort überschlagen sich die Ereignisse.
Die Handlung ist für meinen Geschmack sehr vorhersehbar, aber das hat mich nicht gestört, weil ich es viel spannender fand, den Charakter von Abby genauer kennenzulernen. Wer war sie früher und wer ist sie jetzt? Wie bewältigt sie ihre Probleme und wie kommt sie damit klar, wieder in der Kleinstadt zu sein, in der ihr als Jugendliche das Leben zur Hölle gemacht wurde?
Die Autorin, Krysten Ritter, ist normalerweise Schauspielerin und versucht sich hier an ihrem ersten Roman. Sprachlich ist sie hervorragend, die Geschichte ist auch spannend, leider finde ich die anderen Charaktere nicht besonders gut ausgearbeitet und es wäre erzählerisch sicher noch mehr möglich gewesen. Trotzdem hat mich das Buch überzeugt und ich hoffe, sie bleibt dran und wir lesen wieder von ihr.
Frei ist, wer nichts zu verlieren hat.
König der Hobos Unterwegs mit den Vagabunden Amerikas. Kartoniert. von Gareis Fredy
Ganz nach den Liedzeilen von Janis Joplin „Freedom's just another word for nothin' left to lose” kann das Leben der Hobos in den USA zusammengefasst werden. Rastlos leben sie einen Traum von Freiheit, der so ganz anders als der amerikanische Traum ist. Die Hobos fahren illegal auf Güterzügen durch die USA und Fredy Gareis hat ein paar von ihnen für ein paar Monate begleitet.
Das Buch hat mich unheimlich gefesselt, Garais hat ein Talent dafür, Erlebnisse, Dinge und Menschen zu beschreiben; ich hatte nicht nur das Gefühl, dabei zu sein, sondern wollte für den Moment tatsächlich meine Sachen packen und all die unwichtigen materiellen Dinge hinter mir lassen.
Doch Garais beschreibt nicht nur ein romantisches Leben auf den Schienen, sondern fängt auch ein anderes Bild ein. Hunger, Betteln, Alkohol und Drogen oder das Leben von Kriegsveteranen, die es in diese Parallelgesellschaft verschlagen hat, gehören ebenso zum Alltag und sind der Preis, den diese Freiheit mit sich bringt. Zwischendurch gibt uns Garais ein paar Infos und Fakten zur Geschichte von Amerika und dem Ausbau des Zugnetzes. Außerdem gibt es in der Mitte des Buches eine Bildstrecke, die Orte und Personen zeigt, die im Buch vorkommen.
Dieses Buch ist mehr als nur ein Reisebericht – es zeigt eine ganz eigene Art zu leben und zu reisen, wenn man es denn überhaupt so nennen mag.
kurz und knackig
Durst ist schlimmer als Heimweh von Lucy Fricke
Durst ist schlimmer als Heimweh ist ein Buch, das sich in einem Ruck lesen lässt. Nicht nur, weil die Geschichte auf knapp 170 Seiten erzählt wird, sondern auch weil die Protagonistin Judith die Leser_innen in einen Strudel aus Ereignissen und Erinnerungen reißt, aus dem man schwer wieder rauskommt.
Im Großen und Ganzen geht es um Judith, die ihre Vergangenheit in Alkohol und Drogen begräbt, was aber auf Dauer nicht funktionieren kann. Es geht um einen wichtigen Punkt in Judiths Leben, nämlich, als sie in eine betreute WG kommt und plötzlich mit anderen jungen Menschen konfrontiert wird, die ihr direkt ihre Meinung sagen. Damit und mit dem Nüchtern-Bleiben muss sie sich arrangieren und den Weg für ihre Zukunft bereiten. Die Geschichte ist lebendig, Judith hat viel erlebt, aber mir persönlich fiel es schwer, mich in ihre Lage hineinzuversetzen und emotional mitgerissen zu werden. Das kann am nüchternen Schreibstil der Autorin liegen oder einfach an der Knappheit des Buches, das keinen Raum für Beziehungsaufbau lässt. Trotzdem hat mir das Buch gut gefallen, ich mag den schnellen und direkten Stil von Lucy Fricke.
Persönliche Einblicke in den Alltag von Yori Gagarim
Why I stopped making merch for a revolution, that does not happen von Yori Gagarim
Die Texte sind ehrlich, wütend, manchmal desillusionierend und treffen wunde Punkte bei den Leser*innen. Deswegen ist dieses Buch wichtig.
Es geht um Kunst, um hungern müssen, um linke Personen, die die Welt weniger verstanden haben, als sie glauben.
Ein Absatz beschreibt sehr treffend, was in der Kunst falsch läuft.
Yori beschreibt, wie Menschen Yoris Kunst fotografieren, online stellen und denken, sie würden damit einen Gefallen tun. Yori fragt, was sie*er davon hat, wenn Menschen die Kunst in sozialen Medien teilen, solange sie keine Journalist*innen oder ähnliches sind, aber die Leute denken immer, sie würden Kunstschaffende dadurch unterstützen, dass sie selbst ein paar Likes bekommen für ein cooles Foto, oftmals ohne die Credits überhaupt zu erwähnen.
Genauso wie Lokale, die Bands anbieten, kostenlos zu spielen, um die bekannt zu machen, aber was wäre umgekehrt, wenn ich zu einem Restaurant gehe und frage, ob ich kostenloses Essen bekomme für eine Veranstaltung, damit könnte ich das Restaurant bekannt machen...würde wohl nicht funktionieren.
Das Buch thematisiert genau das, den Wert von Kunst und der Umgang mit Künstler*innen.
Mehr Fragen als Antworten...ein guter Anfang für eine neue Fantasyreihe, die Lust macht, weiterzulesen
Das dunkle Herz von Hainer Lukas
Die Geschichte wird aus der Sicht von Anna erzählt, die bei der Gedenkfeier für ihren Bruder, der vor 10 Jahren verschwunden ist, plötzlich ohnmächtig wird und in einer Wüstenstadt aufwacht.
Dort ist sie nicht allein und muss sich mit neuen Freunden, machthungrigen Führern und einer Horde Kinder überlegen, ob es einen Ausweg aus der Situation gibt.
Währenddessen findet sie auch Spuren ihres Bruders und entdeckt eine dunkle Kraft, die diesen Ort zu kontrollieren scheint. Was haben dieses beiden Tatsachen miteinander zu tun?
Die Sprache ist einfach und gut verständlich geschrieben, ein Buch, das man auch gerne vor dem Schlafengehen lesen kann, wenn man schon ein bisschen müde ist. Zwischendurch gibt es die Passagen, in denen "der alte Mann" vorkommt, diese sind wiederum sehr blumig und pathetisch geschrieben. Alles in allem eine gute Mischung.
Die Geschichte ist spannend, es werden immer mehr Fragen aufgeworfen und die Antworten tröpfeln nur spärlich zwischen den Zeilen hindurch. Das macht auf jeden Fall Lust auf mehr.
Trotz der unheimlich spannenden Handlung hatte ich zwischendurch meine Schwierigkeiten, mich mit den Charakteren zu identifizieren. Anna wirkt teilweise etwas arrogant und auch andere Personen hätten noch mehr Potential, eine emotionale Bindung in mir zu wecken - aber wer weiß, vielleicht kommt das in der Fortsetzung.








