Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Ein geheimnisvolles Du
Die Verborgenen von Linus Geschke
Psychothriller gibt es viele. Einige brillante, viele durchschnittlich. Also muss man schon etwas besonderes bieten, wenn man mit einem neuen Thriller aufwartet. Linus Geschke ist ambitioniert und versucht einiges, z.B. ein Geheimnis, dass er sehr lange im Buch bewahrt und Zeitsprüngen sowie wechselnde Erzählformen in den Kapiteln, ebenso wechseln die Erzählperspektiven, man begegnet den Gedanken verschiedener Figuren.
Das sind vor allen ein geheimnisvolle Du und die Mitglieder einer Familie, dem Ehepaar Franziska und Sven sowie ihre Tochter Tabea.
Leider wirkt es, so wie Geschke es macht, doch zu konstruiert, nahezu aufgesetzt. Das die Figuren so schwach sind, fügt dieser Erzähltechnik ein weiteres Problem zu. Durch den Tod einer 17jährigen kommt ein wenig Spannung auf.
Im zweiten Buchteil kommen noch Figuren hinzu. Marco und Lydia. Das belebt den Roman noch einmal.
Leider muss man sagen, dass der Roman sprachlich nur durchschnittlich gemacht ist.
Dafür gelingt es dem Autor immerhin, einen Spannungsmoment lange aufrecht zu erhalten.
Ein geheimes Restaurant in Kyoto
Das Restaurant der verlorenen Rezepte von Hisashi Kashiwai
Das Restaurant der verlorenen Rezepte ist natürlich kein Kriminalrom,doch trotzdem ist das Detektivgespann (Nagare Kamokawa und Koishi, Vater und Tochter) in 6 Episoden der Vergangenheit auf der Spur, und das mit kulinarischen Mitteln. Sie haben ein Restaurant in Kyoto, aber sie ermitteln auch geschickt.
Jeweils gilt es, ein Gericht zu kochen, an das sich ihre Klienten aus der Vergangenheit erinnern und vermissen.
Es ist geradezu ein Feuerwerk an interessanten japanischen Gerichten, die hier präsentiert werden.
Hisahi Kashiwai macht detaillierte Beschreibungen, nicht nur vom Essen.
In jedem der sechs Abschnitte wird eine neue Figur eingeführt. Der Aufbau ist jedes m al vergleichbar. Nicht selten ist ein melancholisches Element dabei spürbar, denn alle suchen nach etwas Besonderen aus der Vergangenheit.
Die sechs Episoden sind eigentlich gleichwertig, aber mein Favorit ist der letzte Fall.
Das Buch soll auch als Serie in Japan verfilmt worden sein. Die Serie würde ich gerne mal sehen.
düster
Wir verlassenen Kinder von Lucia Leidenfrost
Ein sterbendes Dorf. Zurück bleiben Kinder mit wenigen Erwachsenen, die meisten sind Alte.
Die Gründe werden nicht direkt erklärt. Es wird nur gesagt, dass die Eltern versuchen sich woanders ein neues Leben aufzubauen.
Die Kindergemeinschaft entwickelt sich schließlich in eine neue Richtung.Sie schließen sich eng zusammen, als Wir werden sie aber auch gnadenlos.
Erzählt wird teilweise im Kollektiv. Das hat in der zeitgenössischen Literatur auch eine Tradition. Man denkt gleich an Jeffrey Eugenides Virgin Suiicides.
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Ab und zu kommen auch mal die Stimmen der Erwachsenen zu Wort, z.B. Briefe der Eltern an die Kinder. Es sind immer kurze Kapitel. Das prägt das Buch mit. Leider bekommen die Kind so als Individuen kein Profil. Einzige Ausnahme ist die junge Mila. Bei den Passagen mit ihr, wirkt das Buch manchmal wie ein Jugendbuch, denn ihre Emotionen kommen an.
Überwiegend ist es ein Buch mit düsterer Atmosphäre!
Wir verlassenen Kinder ist ein interessantes Buch, doch teilweise bleibt man ratlos zurück.Es ist aber auch ein Roman, der einen nachdenklich werden lässt.
Das war etwas zu wenig
Happy End von Andrew Sean Greer
Happy end ist der zweite Roman von Andrew Sean Greer über den schwulen, amerikanischen Schriftsteller Arthur Weniger (Less).
Viele Passagen haben etwas übertriebenes, fast schon Klamauk. Allerdings ist der Humor nie laut. Manche Szenen haben dann eine ganz besondere Komik.
Überzeugend der Blick auf den Literaturbetrieb, indem Arthur mal mehr, mal weniger erfolgreich mitmischt, z.
B. als Jurymitglied oder als Interviewer.
Arthur Weniger ist zurückhaltend, der Typ sympathischer Verlierer. Erzähler des Romans ist sein Lebenspartner Freddy.
Für mich ist Happy end, im Original Less is Lost, ein teilweise witziger Roman, den man lesen kann, aber nicht unbedingt muss.
Exzellente Romanbiografie
Die einzige Frau im Raum von Marie Benedict
Wie die amerikanische Schriftstellerin Marie Benedict ihre Romanbioigrafien schreibt ist interessant. Ihr erster Roman dieser Art war Frau Einstein und der war schon etwas besonderes.
Marie Benedicts Romane lesen sich wie reine Romane, folgen aber genau den historischen Fakten berühmter Frauen.
Die einzige Frau im Raum ist Band 4 der Reihe Starke Frauen im Schatten der Weltgeschichte und handelt von der Schauspielerin Hedy Lamarr.
Sie begann 1933 am Wiener Theater. Als Jüdin floh sie schließlich 1937 nach Hollywood und drehte erfolgreiche Filme. Ich mochte z.B. schon immer den romantischen Film Come Live with me, de sie an der Seite von James Stewart spielte.
Sie war eine überaus selbstbewusste Frau und Schauspielerin.
Dass durchgängig aus der Perspektive Hedys und ihrer Gedankengänge erzählt wird, bestimmt den Roman und seine Wirkung.
Neben dem historischen Kontext ist auch der Einblick in diese Zeit in Hollywood spannend.
Frau Einstein bleibt mein Favorit unter den Romanbiografien der letzten Jahre, aber Die Frau im Schatten ist ebenfalls ein mehr als gelungenes Werk.
Welt im Umbruch: hochaktuelles politisches Sachbuch
Welt im Umbruch - was kommt nach dem Krieg? von Rüdiger von Fritsch
Zeitenwende war ein großartiges Buch des Ex-Botschafters Rüdiger von Fritsch.
Da in der Weltlage alles mit allem zusammenhängt schreibt Rüdiger von Fritsch in seinem neuen Buch „Welt im Umbruch“ auf höchst komplexe Art über eine Vielzahl von Themen.
Eine ganze Reihe von Aspekten werden folgeloisch abgehandelt, ausgehend von Putins Angriffskrieg.
Es gibt viele verschiedene Interessen, daher betrachtet von Fritsch nicht nur Russland sondern auch die Positionen des Westens und Chinas und anderen Ländern.
Welt im Umbruch bietet das, was man von einem hochaktuellen politischen Buch über die Weltsituation erwarten kann.
Russischer Debütroman
Die Wunde von Oxana Wassjakina
Das Romandebüt der russischen Autorin Oxana Wassjakina ist eine auffällige Neuerscheinung.
Anlässlich des Todes der Mutter der Protagonistin entsteht eine Art Bericht. Es geht um ihre Beziehung zur Mutter und um ihre Identität als lesbische Frau.
Die Protagonistin ist Dichterin, daher hätte man anfangs vermutet, die Prosa wäre lyrischer.
Das ist aber nicht unbedingt der Fall, obwohl die Sprache ihre eigene Qualität hat und später einige Gedichte in den Text hineingearbeitet werden. Hinzu kommen essayistische Einschläge, abgeleitet von Texten von Maurice Blanchot und insbesondere Helene Cixous.
Wassjakonas Roman besticht durch Genauigkeit. Es dürfte interessant werden, zu sehen, was die Autorin in zukünftigen Büchern machen wird.
obzessiv
I’m a Fan von Sheena Patel
Im a Fan
ist ein bitteres Buch, dass eine toxische Beziehung zeigt.
Die Erzählerin ist dabei ungewöhnlich kalt, jedenfalls erzählt sie lange so.
Die einseitige Erzählperspektive ist das Merkmal des Romans. Hinzu kommen viele hochkonzentrierte kurze Kapitel
Fokussiert ist die Protagonistin auf das stalken der Frau, deren Mann sie will.
Sie sieht die anderen nur aus ihrer Perspektive. Redet nur von „Der Mann, mit dem ich zusammen sein will“, „die Frau, von der ich besessen bin.“
Aus all dem geht aber auch hervor, wie die Frau sich in die Situation immer mehr hineinsteigert. Es is so gesehen tatsächlich ein tragisches Porträt einer gestörten Persönlichkeit.
Ich bin nicht ganz sicher, dass die Autorin ihre Geschichte richtig reflektiert. Es bleibt zu sehr auf der Oberfläche, obwohl offensichtlich mehr versucht wird.
Als Thriller würde die Geschichte funktionieren. Als psychologischer, zeitgenössischer Roman hat das Buch seine Grenzen, obwohl es stilistisch schon bemerkenswert ist.
Neue Zeiten
Blue Skies von T.C. Boyle
Blue skies ist nicht nur ein Roman über klimatische Veränderungen sondern nach meiner Lesart vor allen ein Familienroman, stellvertretend für eine Gesellschaftsschicht, der Mittelschicht in den USA.
Die Protagonisten sind Cooper, ein Entomologe, seine Schwester Cat, die in Florida mit Verlobten und einer Pythonschlange lebt sowie die Eltern der beiden.
Cooper muss einen Schicksalsschlag hinnehmen. Er verliert einen Arm.
Cat wird mit Zwillingen schwanger und verliert eins der Babys durch einen schockierenden Vorfall.
Es kommen dramatische Veränderungen, z.b. Insektensterben, Krankheiten, die übertragen werden, Überschwemmungen.
Bei dem Gesamtkonzept bin ich nicht sicher, ob das so ganz funktioniert, aber es gibt immer wieder brillant geschriebene Passagen und ganz gute Dialoge. Auch die Figuren sind gut gemacht. Sie sind zwar nicht perfekt, aber ich mag sie.
Mir persönlich gefällt T.C.Boyle in der kurzen Form am Besten, Kurzgeschichten und Romane mit geringen Umfang. Blue Skies ordne ich im mittleren Feld von Boyles Werk ein und gebe knapp 4 Sterne.
Preisgekrönter Jugendroman über die Zeit unmittelbar nach Kriegsende
Heul doch nicht, du lebst ja noch von Kirsten Boie
Kirsten Boje hat hier ein außergewöhnlich starkes Jugendbuch geschrieben, dass einen Blick auf die Zeit 1945 unmittelbar nach Kriegsende in das besiegte Deutschland wirft. Es ist gut recherchiert und glaubhaft geschildert, anhand dreier sehr unterschiedlicher Jugendlicher.
Jakob, der sich als Halbjude monatelang in Hamburg verstecken musste, nachdem seine Mutter nach Theresienstadt deportiert wurde.
Traude, eine Bäckerstochter, deren Familie Polen in ihrem Haus aufgenommen hatte und schließlich Hermann, der HJ-Führer war und der Ideologie glaubte. Boje zeigt, wie die Kinder zu dem wurden.
Hier wird nichts beschönigt. Für die Jugendlichen ist die Kindheit zu Ende. Kirsten Boje schafft es aber, einen an den Emotionen aller teilhaben zu lassen und diese zeit plastisch werden zu lassen.
Das Buch ist sehr empathisch geschrieben. Als Leser kann man sich kaum davon lösen.











