Icon Kontrast wechseln
Logo Bücher Leporello Stöger

Kunden em pfehlungen

Rezensionen von yellowdog:

Vor Schuld kann man nicht weglaufen

Die Schuld von Samuel W. Gailey

Eine junge Frau wacht verkatert neben einem toten Mann und dessen Drogengeld auf. Das gibt Ärger und so gibt es schon früh im Buch Action. Später wird es ruhiger, aber eine latente Bedrohung bleibt.
Dieser Plot ist nicht neu, aber funktioniert ein weiteres mal. Es fehlt ein wenig das Überraschende.

Man bekommt, was man erwarten kann.

Hinzu kommt aber das Trauma der Protagonistin Alice, die vor einigen Jahren als Babysitter nicht auf ihren kleinen Bruder aufpasste, der dann ums Leben kam.
Die Kombination der Themen Schuld und Überlebenskampf machen den Plot aus.
Die Handlung wechselt zwischen 2005 und 2011.
Dann begegnet Alice der jugendlichen Delilah, die weggelaufen ist. Alice erkennt sich in ihr wieder und hilft ihr. Gemeinsam reise sie in Alice alte Heimat.
Gleichzeitig kommen die Verfolger, die ihr Geld zurückwollen, immer näher.

Es wird ein spannendes Buch und ich mag die Figuren, insbesondere Alice, die mit ihren Schuldgefühlen mutig kämpft.
Samuel W.Gailey schreibt geradlinig und kommt schnell auf den Punkt. Ich schätze das.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von yellowdog

Meditativ

Die Verletzlichen von Sigrid Nunez

Der Plot von Sigrid Nunez neuen Roman erinnert leicht an ihr wunderbares Buch Der Freund. Da hatte sie einen Hund gesittet. In Die Verletzlichen ist es ein Papagei.
Außerdem ist es die Zeit der Pandemie in New York. Und die Zeit der Präsidentschaft von Donald Trump.
Diese Zeit in den USA hat etwas befremdendes.

In der Handlung kommt ein junger Student hinzu, der zeitweise ebenfalls in der Wohnung des zu betreuenden Papageis lebt. Er ist ein Freund der Familie.

Trotz gewisser Vorbehalte gehen die Gedanken der Protagonistin oft zu dem viel jüngeren Mann, der gelegentlich Wutausbrüche hat und sich über den Zustand der Welt chauffiert.
Sowohl der Papagei Eureka als auch der junge Student sind wirklich lebendige Charaktere.

Die Protagonistin ist sehr nachdenklich und reflektierend. Dabei ist ihr oft die Welt der Literatur nahe. Zum Beispiel nimmt sie einmal ausführlich Bezug zu einem Essay von Joan Didion.
Insgesamt hat das Buch etwas meditatives. Auch das ist typisch für Sigrid Nunez Prosa.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von yellowdog

Helles Gebell

Seit er sein Leben mit einem Tier teilt von Bodo Kirchhoff

Bodo Kirchhoff ist nach dem Tod von Walser und Grass wohl einer der letzten weißen, alten Männer unter den Schriftstellern, dem muss man sich bewusst sein. Aber für ihn spricht die Gelassenheit und Routine sowie das Können.
Sein neuer Roman Seit er sein Leben mit einem Tier teilt wird durch die Hauptfigur dominiert.

Louis Arthur Schongauer, ehemaliger deutscher Schauspieler in Hollywood, lebt zurückgezogen mit seiner Hündin. Die Ruhe wird gestört, als mit Frida eine junge Frau auftaucht.
Die Dialoge zwischen den beiden sind sehr amüsant gemacht.
Mit Almut kommt eine zweite Frau ins Spiel.
Der verwitwete und körperlich angeschlagene Schongauer lebt auf.
Was mir auch ganz gut gefällt, sind die Geschichten über Hollywood-Filme und Stars, die gerne eingeflochten werden.

Mit diesem Buch hat Bodo Kirchhoff bewiesen, dass er immer noch eine kraftvolle Sprache hat und eine gehaltvolle Handlung gestalten kann.
Sofort habe ich mir noch ein Buch von ihm bestellt.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von yellowdog

Intensives Porträt einer jungen Frau

All dies könnte anders sein von Sarah Thankam Mathews

All dies könnte anders sein ist ein Buch, in dem die Autorin Sarah Thankam Mathews das Leben einer jungen, indischstämmingen Frau in den USA porträtiert. Es ist das Jahr 2023 und Sneha ist 22 Jahre alt. Es wird konsequent aus der Ichperspektive der jungen, lesbischen Frau erzählt. Sneha lebt alleine, die Eltern sind in Indien.

Sie ist sehr auf ihren Job fixiert, sehnt sich zwar nach Liebe, wirkt aber orientierungslos und ihre Gefühle sind diffus.
Mit Thom verbindet sie ein problematische Freundschaft, mit Tig hat sie eine gute Freundin, verliebt ist sie in Marina.
Diese Beziehungen erfasst die Autorin gut und vielschichtig.Es gibt viele emotionale Szene. Es ist sehr überzeugend, wie die Autorin Snehas Gefühlslage beschreibt, besonders als diese schließlich ihren job verliert, ihre Wohnung und ihre Liebe.
Sprachlich ist das intensiv und gut gemacht. Sarah Thankam Mathews ist zweifellos eine literarische Entdeckung.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von yellowdog

Der Weg von Pedro und Marquez

Supermarkt von José Falero

Supermarkt ist en Roman eines brasilianischen Autors, der ein glaubhaftes Bild der Gesellschaft zeichnet.
Pedro und Marquez sind eigentlich zwei durchschnittliche Typen, die in einem Supermarkt arbeiten. Genervt von ihrer schwierigen, kargen finanziellen Lage fangen sie an Gras zu verkaufen. In dieses Geschäft rutschen sie leicht rein.

Man sollte beachten, dass die brasilianische Gesellschaft nicht direkt mit der deutschen vergleichbar ist. Armut ist stark verbreitet.

Wirklich kein schlechtes Buch. Besonders die halbphilosophischen Dialoge zwischen den Freunden sind sehr gelungen. Manchmal ist es etwas zu detailliert, aber das ist nicht schlimm. Eine gehörige Portion Ironie entschädigt den Leser.
Von Jose Falero würde ich wieder etwas lesen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von yellowdog

Armenien, damals und heute

Aprikosenzeit, dunkel von Corinna Kulenkamp

Es beginnt mit Erinnerungen an die Wüste. Ein Kapitel, dass die Eindrücke einer Überlebenden des Genozids 1915 vermittelt. Das leitet die Kapitel um Karine ein. Aber zwischen deren Kapiteln kehrt man immer wieder in diese Vergangenheit zurück.

In Deutschland aufgewachsen, doch mit armenischen Wurzeln geht die Protagonistin Karine in die Heimat ihrer Mutter, um für eine NGO zu arbeiten .

An ihrer Seite erlebt der Leser eine andere Welt. Die Hitze, die graue Stadt, Eintönigkeit, dann Ararat, den berühmten Berg.

Sprachlich spielt die Autorin noch nicht in der ersten Liga, aber es gibt Ansätze. Man spürt die Emotionen. Es ist ein interessanter Roman, der deutlich macht, wie schwierig es ist, mit dem Thema Völkermord offen umzugehen.
Das Buch steht natürlich auch ein wenig im Schatten jüngster Ereignisse in Bergkarabach.
Corinna Kulenkamp hat da einen vielversprechendes Debüt vorgelegt.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von yellowdog

Schelmenroman

Wie sind Sie hier reingekommen? von Tilman Birr

Tilman Birr zeigt in seinem Roman „Wie sind Sie hier reingekommen“ ein Porträt eines jungen Mannes.
Wolfgang Schneider ist 20 und zum Studieren nach Berlin gekommen. Er ist noch orientierungslos Das ist ein Hauptthema des Romans.
Als Leser folgt man Wolfgangs staunenden Blick auf die Umgebung.

Eigentlich mag ich es nicht, wenn die Protagonisten in einem Roman Deppen sind.
Aber Tilman Birr nutzt die Form des Schelmenromans und so funktioniert es.
Jedenfalls überwiegend. Ab und zu gibt es Nebenfiguren, die wie Stereotypen wirken. Aber das soll wohl so sein. Oft sind die Passagen wirklich witzig. Ich mag besonders die Theaterpassagen.
Abschließend muss ich noch das originelle Cover erwähnen, das zum Schalk des Autors passt.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von yellowdog

Eine Beziehung

Wellness von Nathan Hill

Nathan Hill schafft mit Wellness mit viel Aufwand und hunderten von Seiten das realistische Porträt einer langen Liebesbeziehung in unseren Zeiten.
Er bevorzugt eine sachliche Schreibweise. Dennoch bleiben dem Leser die Hauptfiguren nicht gleichgültig. 1993 sind der Fotokünstler Jack, der aus Kansas stammt und die Psychologiestudentin Elizabeth Nachbarn in Chicago, die sich zunächst nur gegenseitig beobachten und dann spontan zusammen kommen.

Das wird in den ersten Kapiteln beschrieben, die wirklich brillant sind. Es gibt dann schnell einen Sprung ins Jahr 2014, aber es wird auch erzählerisch wieder in den Jahren zurückgegangen. Das ist gut gemacht.
Die beiden haben einen Sohn, der manchmal schwierig ist und die Elizabeth vor Herausforderungen stellt. Und schließlich stellen Jack und Elizabeth ihre Beziehung in Frage.

Eins muss man kritisch sagen. Das Buch ist zu lang. Auf den einen oder anderen Einschub wäre besser verzichtet worden.
Davon abgesehen, ist Nathan Hill ein kluger Autor und weiß, seinen Text zu gestalten und dessen Stärke die Details sind.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von yellowdog

Debütroman

Nicht ich von Zeruya Shalev

Zeruya Shalevs Debütroman, der jetzt erstmals auf Deutsch erscheint und ein Vorwort der Autorin enthält, ist sprachlich anders als ihre späteren Romane. Doch einige bekannte Motive ihrer anderen Bücher gibt es doch.

Eine Frau verlässt Mann und 5jährige Tochter für ihren Geliebten.
Doch damit kommt sie nicht klar.

Sie isoliert sich selbst und beklagt ihren Zustand. Sie leidet. Ihr gehen sogar die Haare aus.
Diesen Bewusstseinszustand macht Zeruya Shalev mit Mitteln des magischen Realismus deutlich. Das hat mich nach anfänglicher Skepsis doch überzeugt.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von yellowdog

Ein energiegeladener Text

Die sieben Monde des Maali Almeida von Shehan Karunatilaka

Der preisgekrönte Roman Die sieben Monde des Maali Almeida ist ein aufregendes Buch. Zum einen, weil es den Leser in die achtziger Jahre nach Sri Lanka führt. Es ist die Zeit des Bürgerkriegs zwischen der tamilischen Minderheit und der singhalesischen Mehrheit in Sri Lanka.
Eine fremde Welt für mich.

Zwar gibt einen der Autor Shehan Karunatilaka Hilfestellungen, welche Gruppen zu der Zeit, welche Interessen in Sr Lanka verfolgten, dennoch ist es schwer, immer zu folgen. Manchmal muss man sich daher trieben lassen. Am besten man folgt dem gerade ermordeten Protagonisten Maali Almeida, der Fotograf war, auf seiner Suche nach seinem Mörder. Es geht durch Sieben Tage und Nächte und erzählt von seinen Begegnungen mit anderen Geistern. Ein Weg wie durch ein Labyrinth.

Das Buch ist aber auch aufregend wegen seiner großartigen literarischen Form. In der zweiten Person erzählt, ist man nah bei der Figur. Maali ist wirklich eine starke Figur, engagiert, neugierig, furchtlos und voller Lebensgier.
Es gibt auch Passagen mit Maalis guter Freundin Jaki und ihr Cousin DD, der sein Liebhaber war. Diese beobachtet Maali für eine Zeit lang.

Das Buch ist sprachlich farbig, der Ton ist durchsetzt von Ironie. Das Buch hat so viel Kraft und Energie. Das ist beeindruckend.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von yellowdog