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Was wir für wahr gehalten haben

Was wir für wahr gehalten haben

Autor*in: Michelle Shocklee

Übersetzt von: Silvia Lutz
Deutsch
2025 - Francke-Buch

Taschenbuch

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Inhalt

Textauszug
Tullahoma, TennesseeNovember 1969Das erste Telegramm, das ich in meinem ganzen Leben gelesen hatte, hatte meine Welt erschüttert.Das zweite kam ein Jahr später und zog mir den wenigen Boden unter den Füßen weg, den ich in diesen langen, bedrückenden Monaten mühsam wiedergefunden hatte. Wegen dieses Telegramms saß ich seit drei Tagen am Stück in diesem schmutzigen Greyhound-Bus. Mir graute davor, was mich am Ende meiner Fahrt erwarten würde.Deine Mama liegt im Sterben. Sie braucht dich. Komm nach Hause.Die kurze Nachricht war von Papa gekommen.Es war keine Bitte.Die kühle Abendluft wehte den Gestank der Dieselabgase durch das halb geöffnete, schmutzverschmierte Fenster ins Innere des Busses, als er in den Busbahnhof bog - mit zwei Stunden Verspätung aufgrund eines Unfalls auf der Landstraße vor Pulaski. Eine Handvoll Leute standen vor dem Gebäude und warteten auf Angehörige oder Freunde, aber nach einem schnellen Blick über die Gesichter war mir klar, dass Papa nicht unter ihnen war. Ich war enttäuscht und gleichzeitig besorgt und voller Angst, die mich seit dem Telegramm von ihm gar nicht mehr losließ. Kein einziges Wort, dass ich willkommen sei, kein Versprechen auf eine Versöhnung. In seiner Nachricht stand lediglich, dass meine Mutter nicht mehr lange leben würde und mich zu Hause brauchte.Sie brauchte mich zu Hause.Und er?Mehrere Fahrgäste nahmen ihr Gepäck und begaben sich durch den Mittelgang zum Ausgang. Ich schloss die Augen und lehnte die Stirn an die kühle Fensterscheibe, da die Entscheidung, mit der ich rang, seit ich in Los Angeles in diesen Bus gestiegen war, immer noch nicht feststand.Sollte ich aussteigen und mich allem und jedem stellen, was ich seit Marks Tod zu vergessen versuchte? Oder blieb ich im Bus sitzen, fuhr in die nächste Stadt weiter und schlug damit die Tür zu meinem Zuhause für immer zu?Ich hatte geschworen, nie wieder nach Tullahoma zurückzukommen. Als ich zornig und voller Trauer an jenem eisigen Novembertag vor einem Jahr aus dem Haus gestürmt war, hatte ich keinen einzigen Blick zurückgeworfen. Warum auch? Mark war tot. Mein Zwillingsbruder war meine Welt gewesen, auch als er auf der anderen Seite der Erde in einem Krieg gekämpft hatte, den ich nicht befürworten konnte. »Miss?«Ich schlug die Augen auf.Der grauhaarige Mann, der in Little Rock das Steuer übernommen hatte, stand vor mir und sah mich an. »Sie müssen hier aussteigen, nicht wahr?«Ich blickte hinter ihn. Die anderen Fahrgäste, die Fahrkarten nach Tullahoma gekauft hatten, waren nicht mehr zu sehen. Der Moment der Entscheidung war gekommen.Ein Blick durchs Fenster zeigte die verschlafene Kleinstadt, in der ich aufgewachsen war. Diese Stadt hatte ich nie wiedersehen wollen. Aber ich konnte Mama doch nicht im Stich lassen. Nicht jetzt.Nicht schon wieder.»Ja, ich steige aus«, sagte ich. »Ich muss nur noch meine Sachen zusammenpacken.«Der Fahrer nickte und kehrte zum Fahrersitz zurück.Während ich meinen Pullover und ein halb gegessenes Sandwich in meine Reisetasche stopfte, schaute mich die ältere Frau auf der anderen Seite des Gangs finster an, verärgert, dass sie durch meine Trödelei noch später als ohnehin schon in Nashville ankommen würde. Seit sie in Albuquerque eingestiegen war, hatte sie mich nicht ein einziges Mal freundlich angesehen, sondern mich kritisch beäugt und mich von Kopf bis Fuß gemustert - meine weit ausgestellte, ausgefranste Jeans, meine bunt bedruckte, weite Bluse und mein langes Haar, das dringend gewaschen werden musste. »Hippie«, hatte sie abfällig gemurmelt, als sie auf ihrem Sitz Platz genommen hatte. Der Bus war nicht voll besetzt. Dadurch hatten die meisten Fahrgäste eine Sitzbank für sich allein, aber die Verachtung in ihren Augen, als sich unsere Blicke begegnet waren, hatte deutlich gezeigt, dass eine freundliche Unterhaltung während der langen Fahrt nicht infrage kam. Das war mir auch ganz recht gewesen.Während ich mich durch den schmalen Gang nach vorn schob, folgten mir noch mehr

Hauptbeschreibung
Tennessee, 1969: Seit dem Tod ihres Zwillingsbruders Mark ist Mattie Taylor auf der Flucht - vor ihrem Zuhause, ihrer Familie und dem Schmerz, der sie nicht loslässt. Doch als sie erfährt, dass ihre Mutter im Sterben liegt, kehrt sie widerstrebend nach Hause zurück. Dort erwartet sie nicht nur eine angespannte Atmosphäre, sondern auch eine geheimnisvolle Truhe voller Briefe aus der Vergangenheit. Wer war Gunther Schneider und warum scheinen die alten Briefe Matties eigenes Leben auf den Kopf zu stellen?Tennessee, 1942: Ava Delaney hat alles verloren - ihren Ehemann, ihre Zukunftspläne, ihre Hoffnung. Um nicht an ihrer Trauer zu zerbrechen, nimmt sie eine Stelle in einem Internierungslager an. Dort begegnet sie Gunther, einem Medizinstudenten, der nur wegen seiner deutschen Herkunft als Feind gilt. Je mehr Ava ihn kennenlernt, desto stärker zweifelt sie an den Wahrheiten, die ihr beigebracht wurden - und steht bald vor einer Entscheidung, die ihr ganzes Leben verändert.Zwei Frauen, zwei Zeiten und ein Geheimnis, das alles infrage stellt.Ein ergreifender Roman über Liebe, Verlust, Vorurteile, Vergebung und die Suche nach dem eigenen Ich.

Autor*in

Michelle Shocklee ist als Autorin inmehreren Genres unterwegs, brenntjedoch vor allem für historische Romane.Sie hat ihre Jugendliebe geheiratet und istMutter von zwei erwachsenen Söhnen.Aufgewachsen in New Mexico, lebt sieheute in Tennessee, nicht weit von denSchauplätzen ihrer Bücher.www.michelleshocklee.comInstagram: michelleshockleeFacebook: Author Michelle Shocklee

Buchdetails

Titel: Was wir für wahr gehalten haben
Untertitel:Übersetzt von: Silvia Lutz
Verlag: Francke-Buch
Erscheinungsjahr:2025
Sprache:Deutsch
384 Seiten
25 mm x 135 mm
ISBN-13: 978-3-96362-490-2

Produktsicherheit

Hersteller: Francke-Buch GmbH
Am Schwanhof 19, 35037 Marburg an der Lahn DE
E-Mail: info@francke-buch.de

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