Die ersten drei Sätze:

 

Ludovica hielt sich nie gern unter freiem Himmel auf. Schon als Kind hatten sie schreckliche Ängste vor offenen Räumen geplagt. Außerhalb ihrer Wohnung fühlte sie sich verletzlich und ausgesetzt wie eine Schildkröte, der man den Panzer geraubt hat.



José Eduardo Agualusa
Eine allgemeine Theorie des Vergessens



C. H. Beck Verlag

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Sommerlied

Geh aus mein Herz und suche Freud
In dieser schönen Sommerzeit
An deines Gottes Gaben;
Schau an der schönen Gärten Zier
Und siehe, wie sie mir und dir
Sich ausgeschmücket haben!

Die Bäume stehen voller Laub,
Das Erdreich decket seinen Staub
Mit einem grünen Kleide.
Narcissen und die Tulipan
Die ziehen sich viel schöner an
Als Salomonis Seide.

Die Lerche schwingt sich in die Luft,
Das Täublein fleucht auf seiner Kluft,
Und macht sich in die Wälder
Die hochgelobte Nachtigall
Ergötzt und füllt mit ihrem Schall
Berg, Hügel, Tal und Felder.

Die Glucke führt ihr Küchlein aus,
Der Storch baut und bewohnt sein Haus,
Das Schwälblein speißt die Jungen;
Der schnelle Hirsch, das leichte Reh
Ist froh, und kommt aus seiner Höh`
Ins tiefe Gras gesprungen.

Die Bächlein rauschen in dem Sand,
Und mahlen sich in ihrem Rand
Mit schattenreichen Myrthen;
Die Wiesen liegen hart dabei,
Und klingen ganz von Lustgeschrei
Der Schaf´ und ihrer Hirten.

Die unverdroßne Bienenschaar
Fleucht hin und her, sucht hier und dar
Ihr` edle Honigspeise;
Des süßen Weinstocks starker Saft
Bringt täglich neue Stärk’ und Kraft
In seinem schwachen Reise.

Der Weizen wächset mit Gewalt.
Darüber jauchzet jung und alt
Und rühmt die große Güte
Des`, der so überflüssig labt
Und mit so manchem Gut begabt
Das menschliche Gemüte.

......

 

Paul Gerhardt

1607 - 1676

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